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Tunnelbau : Sicherheitsstufe eins für den Fehmarnbelt

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Deutschland und Dänemark einigen sich auf Schutzmaßnahmen für die Seefahrt beim Tunnelbau zwischen Fehmarn und Rødbyhavn. Den Kritikern reichen sie nicht.

Fehmarn | Der Fehmarnbelt ist eine viel befahrene Seestraße. Mehr als 100 Schiffe steuern täglich durch die Meerenge zwischen Deutschland und Dänemark. Zudem kreuzen jeden Tag fast ebenso viele Fähren die Passage. Und es wird bald noch enger: Wenn der geplante Tunnel von Puttgarden nach Rødbyhavn in Bau geht, werden Pontonbagger im Belt einen langen Graben ausheben und Schlepper regelmäßig riesige Betonteile für den Absenktunnel durch den Belt manövrieren. Kein Wunder, dass manch Inselbewohner auf Fehmarn bei so viel Betrieb künftig Unfälle befürchtet: "Es kann passieren", warnte erst letzte Woche Hendrick Kerlen vom Aktionsbündnis gegen die feste Beltquerung, "dass hier ein Öltanker verunglückt - dann gute Nacht."
So weit wollen die deutsche und dänische Regierung es natürlich nicht kommen lassen. Deshalb haben die Schifffahrtsverwaltung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und die Seefahrtsbehörde in Dänemark beschlossen, umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen für den Bau des fast 18 Kilometer langen Tunnels zu verlangen. Zwar dauert es noch zwei Jahre bis zur Einrichtung der Bauhäfen und ein weiteres Jahr bis zum Beginn der Arbeiten auf der Ostsee. Doch schon in den nächsten Wochen soll ein Vertrag mit der staatlichen dänischen Projektgesellschaft Femern A/S abgeschlossen werden, in dem Femern zur Einhaltung und Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet wird.

Eine Leitzentrale nur für den Belt

Wie aus einem siebenseitigen Brief von Ramsauers Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt an Femern hervorgeht, muss auf deutscher Seite in Travemünde eine zweite Verkehrsleitzentrale neben der für die westliche Ostsee bereits bestehenden etabliert werden. Die neue Zentrale soll ausschließlich die Schiffsbewegungen im Belt kontrollieren und alle Schiffe sicher um die Baustellenbereiche herumführen. 28 Beschäftigte aus Deutschland und Dänemark werden in der Leitstelle arbeiten. Eine solche radargestützte Einrichtung gab es auch beim Bau der Brücke über den Großen Belt und der Öresund-Querung.
Außerdem wollen die Behörden die Gefahr von Kollisionen im Belt dadurch senken, dass sie den Baufirmen an höchstens zwei eng begrenzten und klar zu markierenden Stellen gleichzeitig erlauben, den Graben für den Tunnel auszubaggern oder Betonteile des Tunnels abzusenken. Zudem beaufsichtigen zwei Wach-Schiffe rund um die Uhr die Arbeitsbereiche. Sie sollen so ebenfalls verhindern, dass andere Schiffe dort hineinfahren. Ein drittes Wach-Schiff steht stets als Reserve bereit. Und: Femern A/S muss eine Koordinationsstelle einrichten, die alle Arbeitsschiffe nach den Direktiven der Travemünder Leitzentrale steuert.

Keine verbindlichen Anordnungen, nur Empfehlungen

Viele Auflagen - doch die dänische Projektfirma hat sich schon dazu bekannt, die Maßnahmen umsetzen zu wollen. Schließlich hat sie das Schutzkonzept mitentwickelt. "Die Sicherheit von Schiffen und Arbeitern hat für uns beim Baumanagement höchste Priorität", sagt Obinna van Capelleveen, Sprecher von Femern A/S.
Tunnelgegner Kerlen reichen die Vorkehrungen allerdings nicht. Den Ingenieur stört zum einen, dass Femern keine Simulationsrechnung für den Schiffsverkehr während der Bauphase des Tunnels vorlegen muss. Für die ursprünglich geplante Brücke seien solche Berechnungen angestellt worden - "mit dem bedenklichen Ergebnis, dass die Gefahr von Havarien größer war als gedacht", sagt Kerlen. Zum anderen kritisiert er, dass die Anweisungen der neuen Travemünder Leitzentrale keine verbindlichen Anordnungen für die Kapitäne anderer Schiffe sein sollen, sondern nur Empfehlungen. Am liebsten wäre Kerlen ohnehin eine Lotsenpflicht für den Belt - doch die lässt sich in der Weltschifffahrtsorganisation IMO nicht durchsetzen, weil Russland sie strikt ablehnt.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 09:13 Uhr

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