Fehmarnbelt-Tunnel : Planungsgesellschaft plant mit Dumping-Löhnen

Planungsskizze des Fehmarnbelt-Tunnels. Für die Kosten wurde mit Dumpinglöhnen gerechnet. Foto: dpa
Planungsskizze des Fehmarnbelt-Tunnels. Für die Kosten wurde mit Dumpinglöhnen gerechnet. Foto: dpa

Wie teuer wird ein Tunnel unter dem Fehmarnbelt? Die Planungsgesellschaft Femarn A/S hat mit Dumping-Preisen aus China und Polen kalkuliert.

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20. Mai 2011, 04:43 Uhr

Wenn der Tunnel unter dem Fehmarnbelt gebaut wird, werden die Kosten dafür entweder höher liegen, als bislang geplant oder er wird von chinesischen Arbeitern in Polen gefertigt. Dieser Schluss lässt sich bei den Antworten auf einen Fragenkatalog ziehen, den der Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens (Die Linke) aus Niedersachsen an die dänische Planungsgesellschaft Femarn A/S geschickt hat. Darin fragte er unter anderem, ob Medienberichte zuträfen, nach denen die Firma mit Dumpinglöhnen die Kosten kalkuliere.
Femarn A/S bejahte diese Anfrage, mit der Rechtfertigung, dass die Vergabe der Bauaufträge gemäß EU-Recht weltweit ausgeschrieben werden müsse. "Den Zuschlag erhält derjenige Bauunternehmer, der das wirtschaftlich vorteilhafteste Angebot vorlegt", heißt es in der Antwort. Die Kosteneinschätzung sei so vorgenommen worden, wie von einem Bauunternehmer. "Dies hat zu der Annahme geführt, dass es derzeit unter Berücksichtigung der Ausschreibungsvorschriften der EU wirtschaftlich am vorteilhaftesten wäre, für eine Brücke Stahl aus China und Beton aus Polen und Deutschland zu verwenden bzw. Elemente eines Absenktunnels in Polen zu fertigen." Allerdings betont Femarn A/S, dass die Kalkulation keine Vorentscheidung zu Gunsten oder Ungunsten eines bestimmten Standorts sei. Alle jeweils geltenden europäischen wie nationalen Tarifbestimmungen werde Femern A/S "in jedem Fall einhalten".
"Das Papier stellt auch das Versprechen in Frage, dass während des Querungs-Baus zahlreiche Arbeitsplätze auf deutscher und dänischer Seite entstünden", kritisiert Behrens, der Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages ist. Nach der aktuellen Kalkulation würde der Bau des Tunnels 5,1 Milliarden Euro kosten.
(hamo, shz)

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