Fehmarnbelt-Querung : Nach Norden unterm Meer

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Der dänische Verkehrsminister sieht im Tunnel-Votum eine Chance auch für Arbeitsplätze in Norddeutschland.

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02. Februar 2011, 07:27 Uhr

Kopenhagen | Die Tendenz der dänischen Regierung war seit knapp zwei Wochen klar. Doch die liberal-konservative Koalition in Kopenhagen ist ein Minderheitskabinett - und so gibt es erst seit einer Absprache mit sieben der insgesamt acht Parlamentsfraktionen gestern Nachmittag die politisch belastbare Entscheidung: Die Fehmarnbelt-Querung wird ein Absenktunnel. Mit 18 Kilometern Länge und zwei Etagen für eine Kombination aus Straße und Schiene wird es das stattlichste Bauwerk dieser Art weltweit.
Gegenüber dem sh:z pries Dänemarks Verkehrsminister Hans Christian Schmidt dies ausdrücklich auch als Chance für die norddeutsche Wirtschaft: Wegen ihres Gewichts müssten die Bauelemente in einem Radius von höchstens 150 Kilometern um die Baustelle gefertigt werden. Obwohl Dänemark die Baukosten von rund 5,1 Milliarden Euro allein trägt, reklamiert Schmidt die damit verbundenen Jobs nicht gänzlich für die heimische Bevölkerung. Er hält es für "ganz natürlich, dass ein Teil der Aufträge auch in die Bundesrepublik geht". Denn: "Die deutsche Bau-Industrie versteht ihr Handwerk." Auch die politische Zusammenarbeit mit der deutschen Seite lobte er als "vorzüglich". Die Querung biete das Potenzial "einer fantastisch guten Nachbarschaft".
Schmidt betonte, dass die staatliche Planungsgesellschaft Femern A/S auf ihre Erfahrungen mit einem - wenn auch kürzeren - Absenktunnel auf einem Teil der Öresund-Querung zurückgreifen könne. Femern A/S will nach Angaben ihrer Sprecherin Inga Karten nun in Einzelgesprächen mit Interessenten klären, welche Orte sich als Produktionsstätten eignen. Die Entscheidung darüber träfen letztlich die Baukonsortien, unter denen das Mammutprojekt nun ausgeschrieben werde. Aus Schleswig-Holstein gilt Lübeck im Vergleich zu Kiel als der heißere Anwärter. Rostock hat ebenfalls Interesse signalisiert, Fehmarn selbst eine Bewerbung aus Furcht vor Beeinträchtigung des Tourismus ausgeschlossen. Femern A/S rechnet für die etwa sechseinhalbjährige Bauzeit mit 6000 bis 7000 Arbeitsplätzen.

Die "Allianz gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung" erkannte gestern an, dass "ein Großteil der ökologischen Risiken zwar durch eine Tunnellösung entfällt". Das Bündnis der Bürgerinitiativen von Lübeck bis Fehmarn bleibt jedoch bei seiner Ablehnung jeglicher Art von Bauprojekt, bekräftigte ihr Sprecher Peter Ninnenmann. Insbesondere durch das zu erwartende Schienengüterverkehrsaufkommen seien der Tourismus sowie die Gesundheit der Anwohner an der Strecke entlang der Lübecker Bucht gefährdet, so Ninnenmann weiter.

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