Fehmarnbelt-Querung : Kommentar: Verlässlich

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02. Februar 2011, 07:33 Uhr

"Nun ist es ganz gewiss": Dieser von Hans Christian Andersen in seiner Märchenwelt vielfach geprägte Spruch bringt wohl am besten die ganz reale Bedeutung der Absprache zum Fehmarnbelt-Tunnel auf den Punkt. Nun kann eigentlich nichts mehr passieren, was den Baubeginn noch aufhält. Nicht mal ein wahrscheinlicher Regierungswechsel in Dänemark von derzeit liberal-konservativ zu sozialdemokratisch-sozialistisch nach Neuwahlen, die spätestens im Herbst fällig sind. Die möglicherweise neuen Regierungsfraktionen sind Teil des Schulterschlusses. Ein Beispiel dafür, dass Minderheitsregierungen zu großer Verlässlichkeit von Politik taugen können.
Die Sozialdemokraten hatten noch bis kurz vor Toresschluss aus ästhetischen Gründen mit einer Brücke geflirtet. Doch dem ungleich größeren Job-Effekt eines Tunnels mag sich zumal in wirtschaftlich turbulenten Zeiten keiner verschließen. Jede politische Couleur will davon im Wahlkampf profitieren und Fehmarn so Zweiflern, die es auch nördlich der Grenze gibt, schmackhaft machen. Das hat die Waagschale zu Gunsten eines Tunnels geneigt, nicht die Rücksicht darauf, dass er auf deutscher Seite wegen geringerer Umweltfolgen auf weniger Widerstand trifft. Das schließt jedoch keineswegs die Freude darüber aus, dass sich Kopenhagener und Fehmaraner Interessen in der gestrigen Entscheidung einander annähern. Mit der Tunnel-Präferenz steigen die Aussichten dafür, dass nun auch die lokale Bevölkerung auf der deutschen Seite vor allem die Chancen des Projektes sieht.

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