Trotz höherer Kosten : Fehmarnbeltquerung: Dänen sehen Gewinn für alle

Die undatierte Computergrafik zeigt das Tunnelportal auf deutscher Seite für den geplanten Tunnel von Dänemark nach Deutschland.
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So soll der Absenktunnel auf deutscher Seite aussehen (Computergrafik).

Aufbruchstimmung in Kopenhagen: Eine Analyse untermauert die Sinnhaftigkeit einer Fehmarnbelt-Querung. Die Dänen wollen schon bald mit dem Bau des Tunnels beginnen.

shz.de von
13. Januar 2015, 14:29 Uhr

Kopenhagen | Dass eine feste Fehmarnbeltquerung sinnvoll ist, daran gab es in Dänemark – anders als in Schleswig-Holstein – niemals größere Zweifel. Das Beratungsunternehmen Incentive hat für das Verkehrsministerium in Kopenhagen nun eine neue sozialökonomische Analyse zu den Effekten des zum Bau anstehenden Tunnels erstellt (im dänischen Original hier zu lesen). Fazit der Rechnung auch hier: Das 17,6 Kilometer lange Röhrenprojekt werde unter dem Strich ein Gewinn für alle sein. Neben positiven Effekten auf Struktur und Arbeitsmarkt werde das Projekt trotz Lärm und Abgasen insgesamt dem Umweltschutz dienen, da es durch Umgehung der Jütland-Route die Güterstrecken abkürze. Und auch wirtschaftlich werde es ein lukratives Geschäft für ganz Europa.

Bei 50 Jahren Nutzungsdauer rechnet Kopenhagen mit einem nationalen Nettogewinn von insgesamt 26 Milliarden Kronen für die ambitionierte Tunnelverbindung zwischen Puttgarden und Rødbyhavn. Das wären 3,5 Milliarden Euro. Den Dänen winkt demnach eine 5,4-prozentige volkswirtschaftliche Rendite. Die gesamteuropäische Wirtschaft profitiere mit 5,0 Prozent. Auch wenn vor zehn Jahren noch mit etwas höheren Erträgen gerechnet wurde, ist die dänische Regierung mehr als zufrieden mit den neuen Zahlen. Schon vier Prozent Gewinnaussicht wären den Dänen ein Grund, den Jahrhundertbau zu realisieren. In Kopenhagen kann man es daher kaum erwarten, dass „die großen Maschinen in Gang gesetzt werden“, wie Transportminister Magnus Heunicke erklärte.

Bei der ursprünglichen Planung 2008 war man von Gesamtkosten von 5,5 Milliarden Euro für den Tunnel ausgegangen. Nachdem im November bekannt wurde, dass der Fehmarnbelt-Tunnel durch allgemeine Kostensteigungen 700 Millionen Euro teurer wird, will der Bauherr Femern A/S bald eine neue Kostenschätzung vorlegen. Neben den Zusatzkosten hatte die letzte Finanzanalyse der Planungsgesellschaft auch ergeben, dass die Brücke durch rascher abbezahlt werden kann. Gründe dafür seien die niedrigeren Realzinsen, eine höhere EU-Förderung und einer höherer Verkehrsprognose. In 32 bis 37 – statt den vorher angenommenen 39 Jahren – sollen die Kredite getilgt werden.

Das Projekt schreitet in Dänemark zügig voran. Schon im Februar soll das Baugesetz für die Fehmarnbeltquerung durch das Parlament gehen. Für den Ausbau und die Finanzierung der Hinterlandanbindungen sind jeweils Deutschland und Dänemark allein verantwortlich. In Dänemark ist die Autobahn nach Rødby bereits vierspurig. Auf deutscher Seite gehen die Dinge etwas gemächlicher, so dass allmählich die Alarmglocken läuten.

Hier geht es vornehmlich um den zweigleisigen Ausbau und Elektrifizierung der Eisenbahnstrecken nach Lübeck. Was ist, wenn 2026 der erst Zug durch die Röhre kommt, auf Schleswig-Holsteinischer Seite aber der der Ausbau der Schiene noch nicht fertig ist? Um ein solches Szenario zu verhindern, dringt Ostholsteins Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) laut einem Bericht der Lübecker Nachrichten auf einen runden Tisch der Bundesregierung mit den Dänen – noch vor der Abstimmung im Folketing.

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