Tunnel unter dem Fehmarnsund : "Fehmarn muss kostenfrei erreichbar sein"

Die Fehmarnsundbrücke steht unter Denkmalschutz und darf nicht abgerissen werden. Deshalb könnte sie durch einen Tunnel entlastet werden. Foto: grafikfoto.de
Die Fehmarnsundbrücke steht unter Denkmalschutz und darf nicht abgerissen werden. Deshalb könnte sie durch einen Tunnel entlastet werden. Foto: grafikfoto.de

Kommt der Tunnel unter dem Fehmarnbelt, gibt es ein Nadelöhr am Fehmarnsund, befürchten Planer. Idee aus Dänemark: Auch dort soll ein Tunnel gebaut werden. Maut will man aber nicht verlangen.

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23. Februar 2011, 09:48 Uhr

Ein Vorschlag des dänischen Kommunalpolitikers Niels Ole Kainø stößt neue Debatten zur Zukunft der Fehmarnsundbrücke an. Der Vorsitzende des liberalen Venstre auf Lolland regte bei einer Diskussionsveranstaltung der FDP Ostholstein in Eutin an, mit dem geplanten Tunnel unter dem Fehmarnbelt auch eine Unterführung unter dem -sund zu bauen. So könnte ein künftiges Verkehrs-Nadelöhr dort entschärft werden.
Die knapp einen Kilometer lange Straßen- und Eisenbahnbrücke verbindet die Ostseeinsel Fehmarn und das schleswig-holsteinische Festland, die durch den Sund getrennt sind. Die 1963 eröffnete Brücke hat nur zwei Fahrspuren und ein Bahngleis. Ihre Erweiterung, die Bürger und Politiker im Fall einer festen Fehmarnbelt-Querung für nötig halten, ist jedoch nicht möglich, weil die Brücke unter Denkmalschutz steht.
"Charmante Idee"
Die Sundtunnel-Idee findet auf Fehmarn Anklang. "Ich halte das für eine sehr charmante Idee. Man bräuchte nur vier zusätzliche Tunnelelemente; das Gerät und die Bautrupps wären bereits in der Nähe. Eine so günstige Chance ergäbe sich nie wieder, darum sollte man sie nutzen", untermauerte gestern Fehmarns Bürgermeister Otto Uwe Schmiedt die Argumentation für einen Sundtunnel.
Dafür macht sich seit Längerem schon der FDP-Kreisverband Ostholstein stark, fand bisher aber überregional nur wenig Anklang. Auch Jan Mücke (FDP), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, erteilte dem Vorschlag in Eutin postwendend eine Absage: "Das wird so sicher nicht gehen." Auf deutscher Seite seien die Investitionsmittel in Sachen Fehmarnbelt aufgrund der Vielzahl dringender Verkehrsprojekte begrenzt; deswegen erfülle die Bundesregierung vorrangig nur die Aufgaben, die der deutsch-dänische Staatsvertrag für das Projekt vorsehe. Zudem sei dies vom erwarteten Verkehrsaufkommen her nicht erforderlich, hieß es aus dem Ministerium.
Die Fehmarner wollen keine Mautfinanzierung
Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Jost de Jager (CDU) erklärte, das Land beteilige sich nicht an Spekulationen. "Zunächst muss es darum gegen, das im Staatsvertrag festgelegte Projekt zu verwirklichen", so der Minister.
Auch die FDP-Landtagsfraktion äußerte sich zurückhaltend. "Es wäre zwar gut, wenn das Nadelöhr beseitigt werden könnte. Aber ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass der Bund dies finanzieren würde", sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Oliver Kumbartzky. "Vordringlich ist für uns eine gute Hinterland-Anbindung. Dafür gibt es sehr positive Signale aus Berlin."
Eine mögliche Mautfinanzierung, wie sie Dänemark für den Fehmarnbelttunnel plant, ist für Schmiedt indiskutabel. "Dagegen würden wir uns mit aller Kraft wehren, Fehmarn muss weiterhin kostenfrei zu erreichen sein", sagte der Bürgermeister.
(dpa, bu, shz)

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