Fehmarnbeltquerung : Dänen entscheiden sich für Ostsee-Tunnel

Die Computergrafik zeigt einen Querschnitt durch den Tunnel, der zwischen der deutschen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland gebaut werden könnte. Foto: Femern A/S/dpa
Die Computergrafik zeigt einen Querschnitt durch den Tunnel, der zwischen der deutschen Ostsee-Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland gebaut werden könnte. Foto: Femern A/S/dpa

Dänemark hat endgültig die Weichen für den Bau eines 18 Kilometer langen Ostsee-Tunnels nach Deutschland gestellt.

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03. Februar 2011, 01:08 Uhr

Nach dem für 2014 geplanten Baubeginn soll sich ab 2020 die Fahrzeit zwischen Hamburg und der dänischen Hauptstadt um eine auf gut drei Stunden verkürzen. Dänemark will die auf 5,1 Milliarden Euro geschätzten Baukosten allein finanzieren. Sie sollen durch Mautgebühren wieder eingefahren werden.
Die Kieler Landesregierung begrüßte die Entscheidung. Ein Tunnel sei auch aus Sicht Schleswig-Holsteins günstiger, weil damit der Eingriff in Natur und Schiffsverkehr weniger stark ausfalle, sagte Verkehrsminister Jost de Jager (CDU).
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Für die Gegner des geplanten Verkehrsprojektes ändert sich dagegen nichts an ihrer ablehnenden Haltung. "Eine Tunnellösung ist immerhin besser als die ursprünglich geplante Brücke. Aber wenn überhaupt, dann muss es ein gebohrter Tunnel sein, der in der Bauphase weniger Umweltschäden anrichtet, als ein Absenktunnel", sagte der Vorsitzende des Aktionsbündnisses gegen eine feste Fehmarnbeltquerung, Malte Siegert. Auch der NABU fordert weiterhin einen gebohrten Tunnel. Deswegen behalte sich die Naturschutzorganisation weiterhin juristische Schritte gegen das Projekt vor, sollte der Beschluss zum Bau tatsächlich fallen, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die grundsätzliche Kritik an dem Projekt bleibe bestehen.
Mit der Fertigstellung des Ostsee-Tunnels 2020 würde sich die Fahrzeit zwischen Hamburg und der dänischen Hauptstadt um eine auf gut drei Stunden verkürzen. Dänemark will die auf 5,1 Milliarden Euro geschätzten Baukosten allein finanzieren. Sie sollen durch Mautgebühren innerhalb von 35 Jahren wieder eingefahren werden.
"Diese schweren Elemente muss man ja in der Nähe produzieren"
Das gigantische Bauvorhaben ist auf der direkt betroffenen schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn wegen der deutlich höheren Belastung durch Straßen- und Bahnverkehr umstritten. Im dänischen Parlament ist nur die linksorientierte Einheitsliste gegen das Bauvorhaben.Die staatliche Baugesellschaft Femern A/S will unter dem Ostseegrund jeweils 200 Meter lange und 75.000 Tonnen schwere Betonsegmente versenken. Sie sollen in noch zu bauenden Fabriken in der Region vorgefertigt werden. Schmidt begründete die dänische Abkehr vom ursprünglichen Projekt einer riesigen Schrägkabelbrücke auch mit dem Argument, dass der Tunnelbau mehr Arbeitsplätze auf dänischer Seite wie auch in Norddeutschland bringt: "Diese schweren Elemente muss man ja in der Nähe produzieren." Bei einer Brückenlösung würde man viel Stahl aus Fernost importieren, meinte der Minister.
Für die deutsche Seite fallen Anbindungskosten an Land an, die offiziell auf 800 Millionen Euro veranschlagt sind. Nach Einschätzung des Bundesrechnungshofes könnten sie bis auf 1,7 Milliarden Euro steigen. Bei der Unterzeichnung des Staatsvertrages 2008 durch die Regierungen hatte Kopenhagen wegen des "deutlich größeren dänischen Interesses" die gesamte Finanzierung des eigentlichen Tunnel- bzw. Brückenbaus übernommen.

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