Katastrophe in Japan : Benzin und Lebensmittel werden knapp

Weite Teile der japanischen Stadt Sendai sind am Sonntag (13.03.2011) überschwemmt. Ein schweres Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami hatte am Freitag weite Landstriche an der japanischen Küste verwüstet und zahlreiche Opfer gefordert. Foto: dpa
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Weite Teile der japanischen Stadt Sendai sind am Sonntag (13.03.2011) überschwemmt. Ein schweres Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami hatte am Freitag weite Landstriche an der japanischen Küste verwüstet und zahlreiche Opfer gefordert. Foto: dpa

Tankstellen und in Supermärkte melden "ausverkauft". Züge stehen still. Dazu die Angst vor einer Atomkatastrophe. In Japan herrscht Ausnahmezustand.

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16. März 2011, 12:23 Uhr

Geschlossene Geschäfte säumen die breite Straße ins Krisengebiet. Vereinzelt ist der Asphalt in Folge des schweren Erdbebens aufgerissen, ein Bürogebäude liegt in Trümmern.
Autos schleichen über die Straße, die Fahrer auf der Suche nach einer Tankstelle. Doch eine nach der anderen ist geschlossen, an Absperrleinen hängen Zettel mit der Aufschrift: "Ausverkauft".
Während die Welt die grausigen Bilder aus den nur Dutzende Kilometer entfernten Katastrophengebieten verfolgt, leiden auch die Menschen in den weniger beschädigten Gebieten unter Versorgungsmängeln, Erschöpfung und Ungewissheit.
In der Stadt Kagamiishi bilden Menschen am Montag vor dem einzigen geöffneten Supermarkt weit und breit eine lange Schlange. Alle warten beharrlich darauf, sich mit dem Nötigsten einzudecken. Niemand drängelt, jeder wartet geduldig ohne zu klagen. "Die Leute brauchen vor allem Lebensmittel, aber davon gibt es kaum noch welche", schildert die 19-jährige Tomomi Goton. "Lager sind fast leer, wann Nachschub kommt, weiß man nicht." Ohne Benzin könnten nun mal keine frischen Lebensmittel herbeigeschafft werden.
Gespenstische Dunkelheit
Die hochschwangere Sakiko Sato stellt sich geduldig in die lange Reihe vor dem Supermarkt, in der Hoffnung, dass es noch Windeln und Babymilch gibt. "Ich könnte auch in eine der Notunterkünfte gehen, aber da haben sie auch nichts, da kann ich besser zu Hause bleiben", sagt die 23-Jährige. "Ich habe Angst", sagt Sato bei der Vorstellung, dass es in den nahen Kernkraftwerken zur Katastrophe kommen könnte. Am 25. März soll ihr Kind voraussichtlich zur Welt kommen.
Eine ältere Frau in der Hauptstadt Tokio erzählt dem Fernsehsender NHK, sie kaufe alle Lebensmittel, die sie finden könne. Auch Batterien, da Stromausfälle erwartet wurden. Schon in der Nacht zum Montag blieben die Straßen in mehreren Stadtteilen dunkel. Das Gebiet um den Tokioter Hafen - sonst hell erleuchtet - war völlig finster.
"Es war gespenstisch", berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa. Viele japanische Unternehmen und Haushalte sind der Aufforderung der Regierung gefolgt, Strom zu sparen.
Bahnverkehr teilweise eingestellt
Stromversorger erwarten Engpässe, da viele Atommeiler nach dem Beben vom Freitag auf unbestimmte Zeit abgeschaltet werden mussten.
Die Regierung hatte entsprechende Pläne der Stromversorger Tepco und Tohoku genehmigt. Die ersten Abschaltungen waren für Montagmorgen angekündigt. Doch Tepco gibt zunächst Entwarnung: Die Abschaltung wurde verschoben, weil der Strombedarf geringer war als erwartet.
Derweil schüren die Explosionen in Atomreaktoren Angst bei den Japanern: Ohne Benzin könne niemand schnell fliehen, mahnt Tomomi Goton. Selbst wenn die Regierung wegen der Probleme in den Atomkraftwerken plötzlich zur Evakuierung aufrufe. Viele Menschen sind bereits auf dem Weg in vermeintlich sichere Gebiete.
Auch das klappt nicht problemlos. Japan Rail, die größte Bahnlinie des Landes, stellte den Verkehr in der Region Tokio teilweise ein. Viele Schnellzüge fahren nicht, Reisende müssen auf Regionalbahnen umsteigen. Auch am Bahnhof im etwa 30 Kilometer entfernten Yokohama warteten zig Menschen auf einen Platz in einem der letzten Züge.

(dpa, shz)

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