Schulordnung von 1557: Ausruhen nur donnerstags nach dem Essen

1557 war das Jahr der neuen Schulordnung an der Domschule. Rektor Michael Stanhuffius verankerte darin einst das Verhalten seiner Schüler und Kollegen inner- und außerhalb der Lehranstalt.

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05. September 2007, 07:07 Uhr

Schleswig - Die Schulordnung der Domschule von 1557 schrieb Michael Stanhuffius, der damalige Rektor, in einem einmalig existierenden Exemplar nieder. Ihr zu Grunde lagen die stark freiheitlich-fortschrittlichen Gedanken der Reformation, denen der Würzburger Stanhuffius bereits in seiner Jugend ausgesetzt war, sowie die damaligen Kriegsaktivitäten.
Auf Grund der veränderten Glaubensperspektiven seiner Zeit vermutet man, dass Michael Stanhuffius um 1550 mit seinem Theologie- und Philosophiestudium in Rostock begonnen hat. Ab diesem Zeitpunkt pflegte er eine engere Verbindung zum Norden. Stanhuffius arbeitete sich hoch - von Rektorämtern in Wittenberg und Berlin über Pfarrer- und Lateinschulen bis hin zu einem Privatlehrer für "Kinder aus besserem Hause".
Anfang 1556 galt es, dass Rektorat der Domschule neu zu besetzen. Der bisherige Rektor Cypraesus legte sein Amt nieder und auf Grund eines Empfehlungsschreibens von Philipp Melanchthon - einem der Hauptreformatoren in Deutschland neben Martin Luther - gelang es Stanhuffius, die Stelle zu besetzen. Zudem konnte er mit seinen ausgezeichneten Fähigkeiten in den Geisteswissenschaften, namentlich Griechisch und Latein, punkten.
Bereits kurz nach seiner Einstellung warb Stanhuffius für die Einrichtung einer Kathedralschule. Um seinem Vorhaben mehr Nachdruck zu verleihen, fasste er in einem 62 Seiten umfassenden Konzept seine Ideen für eine grundlegend neu strukturierte Schulordnung zusammen: Neun Kapitel, die sich mit den Pflichten und dem Verhalten sowohl der Lehrer als auch der Schüler inner- und außerhalb der Schule sowie der Aufsicht und der sittlichen Erziehung befassten. Beispiel: "Ausruhen von den Schularbeiten wird der Jugend gegönnt, aber nur am Donnerstag nach dem Essen." Leistungsdruck und Prüfungsstress waren an der Tagesordnung: Wöchentlich stand eine mündliche Prüfung vor dem Rektor und zusätzlich zwei Mal jährlich eine mit dem Abitur vergleichbare schriftliche Prüfung an. Ebenso graute es den Schülern vor den erzwungenen Besuchen alter Kirchen und der alljährlichen Teilnahme am Weihnachtssingen. Zu Pflichtveranstaltungen gehörte zudem der Gottesdienstbesuch zwei Mal täglich – an Feiertagen drei Mal. Zudem mussten die Jungen die Messen und Beerdigungen unter Leitung des Kantors mit ihrem Gesang begleiten.
Die Grundüberlegungen der Schulordnung von Stanhuffius lassen sich mit einem Zitat seines Vordenkers Johannes Bugenhagen aus der Hamburgischen Schulordnung ausdrücken: "Die kleinen Kinder seien unschuldig wie Adam und Eva im Paradies, aber wenn sie heranwüchsen, komme die Schlange der Versuchung. Um diese zu bekämpfen, müssten die Kinder unterrichtet werden. Und weil viele Eltern sich dieser Aufgabe nicht gewachsen zeigten, müssten gute Schulen errichtet werden."

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