Ein Hauch von "Harry Potter"

Das Schulgebäude an der Königstraße im Jubiläumsjahr. Foto: Filz
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Das Schulgebäude an der Königstraße im Jubiläumsjahr. Foto: Filz

St. Petri, ein ehemaliges Waisenhaus im Süderdom, schließlich der Neubau an der Königstraße: Die Institution Domschule hatte viele Adressen. Die Schüler des Gymnasiums über dem neugotischen Bau, der 1869 entstand und der frischgebackene Fünftklässler heute an Harry Potters Lehranstalt "Hogwarts" erinnert.

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05. September 2007, 06:16 Uhr

Schleswig - Die Domschule gehört zum Inventar der Stadt Schleswig. Dies gilt nicht nur für die Institution Gymnasium, das seit 700 Jahren Schüler unterrichtet. Es gilt vor allem auch für das Gebäude der Schule an der Königstraße, das zwischen Schloss und Dom zu den markantesten Gebäuden der Stadt gehört.
Erst seit 1869 findet der Unterricht im neugotischen Gebäude statt. Der Bau war notwendig geworden, da die Schülerzahlen nach dem preußisch-dänischen Krieg 1864 stark wuchsen. Dem bis dahin seit 1808 genutzten Schulgebäude - ein ehemaliges Waisenhaus im Süderdom - fehlte es an Platz, um der Schülermassen Herr zu werden. Auch die Interessen der preußischen Siegermacht dürften das Bauprojekt befördert haben. Die neu gewonnenen Provinzen sollten durch sichtbare Verbesserungen der Infrastruktur möglichst rasch vom Preußentum überzeugt und integriert werden.
Im Februar 1865 stimmte der Stadtrat dem Antrag der Domschulleitung auf Überlassen eines Bauplatzes zu. Im März 1866 begannen die Erdarbeiten an der Königstraße. Für das neue Schulgebäude und das nebenan geplante Direktorenhaus wurden zunächst 130 000 Goldmark Baukosten veranschlagt.
Am verregneten 1. Mai 1867 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, unter anderem im Beisein von Generalleutnant von Manstein und des königlichen Regierungspräsidenten Freiherr von Zedlitz. Dompropst Hansen hielt seine Festpredigt über das Psalmwort "Wo der Herr nicht das Haus bauet, so bauen umsonst, die daran bauen" und stellte damit den Bezug zur geistlichen Vergangenheit der inzwischen "Königlich-preußischen Lehranstalt" Domschule her. Unregelmäßigkeiten bei der Stein- und Klinkerlieferung durch die Schleswiger Ziegelei verzögerten die Fertigstellung, sodass der Bezug von Ostern 1868 auf Herbst 1869 verschoben werden musste. Zu den Klängen Schleswiger Militärkapellen wurde der neue Komplex eingeweiht. Tags darauf, am 13. Oktober 1869, begann der Unterricht – in einem Gebäude, dessen Eingangsportal und Erkerflügel von der neugotischen Architektur zeugen. Die in einem zweiten Bauabschnitt hinzugekommene Aula macht mit ihren spitz zulaufenden Bleiglasfenstern und der Dachstruktur einen kapellenartigen Eindruck. Mancher Besucher von Theater oder Choraufführungen fühlt sich beim Blick in die Deckenkonstruktion an die Schiffsbauweise der Wikinger erinnert.
Der untere Flur mit den Kreuzgewölben, die Fassadengestaltung mit Treppengiebeln und Ziegelfärbung - all dies repräsentiert den Geist der preußischen Backsteingotik, die für eine Reihe von Schulbauten aus damaliger Zeit typisch ist. Heutige Sextaner fühlen sich dabei nur selten an das dunkle Mittelalter erinnert. Sie schwärmen angesichts der alten Gänge eher von "Hogwarts", dem labyrinthartigen Internat des Jugendbuchhelden Harry Potter.
Das zentrale Gebäude von Schleswigs Schülern jedenfalls ist 46 Meter lang, zehn Meter breit, knapp 17 Meter hoch. Seinerzeit sollte es Platz für die insgesamt zehn Klassen der Domschule bieten. Heut zu Tage ist damit kaum der Platzbedarf der Oberstufe abgedeckt. Das Thema Raumnot begleitet die Schule also auch in das achte Jahrhundert ihres Bestehens.
Ihre eigene Geschichte hat die Dienstwohnung des damals "Königlich-preußischen Gymnasialdirektors in Schleswig": Die 180 Quadratmeter große, auf ein Hochparterre und zwei Stockwerke verteilte Wohnung wurde im Laufe der Zeit von sechs Direktoren bewohnt. Als erster zog 1869 Direktor Dr. Keck ein, als letzter verließ Direktor Theune 1958 die Villa, zwei Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Schulleiters. Danach wurden die Räume für die Verwaltung umgestaltet. Heute sind dort Schulleitungsbüros, Sekretariat und Lehrerzimmer untergebracht.

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