Domschule nach dem Krieg

Eine Schulklasse aus den fünfziger Jahren: Die große Not war endgültig vorbei. Foto: Domschule
Eine Schulklasse aus den fünfziger Jahren: Die große Not war endgültig vorbei. Foto: Domschule

Nur ein Eimer Desinfektionsmittel - das war alles, was der Domschule bei der Wiedereröffnung im Dezember 1945 zur Verfügung stand, um das Gebäude von den Überresten einer Zeit zu befreien, in der an Schulunterricht nicht zu denken war.

shz.de von
05. September 2007, 07:15 Uhr

Schleswig - Seit dem Januar 1945 war die Schule als Lazarett und Infektionskrankenhaus genutzt worden. Lediglich der Physiksaal und das Direktorenzimmer standen für schulische Zwecke zur Verfügung. Die Klassenzimmer waren auf sieben Orte in Schleswig verteilt. Die größte Distanz betrug 45 Gehminuten. Als das gesamte Domschulgebäude am Jahresende 1945 wieder für den Unterricht freigegeben wurde, mussten neben den 710 Gymnasiasten die 2000 Schüler zweier Volksschulen aufgenommen werden. Deren Gebäude blieb bis 1947/48 belegt, sodass in dieser Zeit bis zu 2700 Schüler in der Domschule untergebracht wurden.
Diese Situation war nur zu bewältigen, indem sich die Schulen wöchentlich im Vor- und Nachmittagsunterricht abwechselten. Die durchschnittliche Klassenstärke von 32 Schülern erschwerte das Unterrichten zusätzlich.
Ein großes Problem, vor dem die Domschule außerdem stand, war das Fehlen von Lehrmaterialien wie Bücher und Hefte nach dem Krieg. Viele alte Bücher mussten auf Grund nationalsozialistischer Tendenzen entsorgt werden. So wurden die Lehrinhalte den Schülern diktiert. Diese schrieben nicht selten auf bereits beschriebenem Material, das sie von zu Hause mitbrachten. Neue Hefte waren rar und unerschwinglich. Neue Schulbücher wurden erst ab 1946 gedruckt.
Auch das restliche Inventar der Domschule hatte unter der Kriegszeit gelitten. Ein großer Teil war beschlagnahmt oder gestohlen worden. Zu kaufen gab es wenig, der Schwarzmarkthandel blühte. Der Verkauf von Diebesgut, wie es auch Domschulmikroskope waren, bot den Menschen eine Gelegenheit, sich Geld zu beschaffen. Viele Schüler waren weit über den Unterricht hinaus auf die Hilfe der Schule angewiesen. Rasch wurde eine Schulspeisung organisiert, um den schlimmsten Hunger zu lindern. Da nicht genug Geschirr für alle Schüler vorhanden war, mussten viele es selbst mitbringen. Außerdem gewährte die Schule bedürftigen Schülern und ehemaligen Soldaten Obdach im Keller.
Viele Väter waren gefallen, in Gefangenschaft oder blieben vermisst, sodass auch hier nicht selten die Schule versuchen musste, diese Lücke zu füllen. So wurde von der Schulleitung den Lehrkräften das Ziel gesetzt, die Schüler darin zu unterstützen, einen eigenen Standpunkt zu entwickeln und auch andere Meinungen gelten zu lassen.
Auch die Domschule wurde entnazifiziert. Mancher Kollege kehrte nach dem Krieg nicht wieder in sein Amt zurück. Schulleiter Heinrich Theune war der einzige Gymnasialdirektor Schleswig-Holsteins, der mit kurzer Unterbrechung seine Position behielt und die Geschicke der Schule von 1932 bis 1956 bestimmte. Das Lehrerkollegium war beim Neubeginn 1945 überaltert und klein. Bis 1948 ist es von zwölf bis auf 49 Kollegen aufgestockt worden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen