Christianstraße in Neumünster : Sabine Küster (62): „Ich erinnere mich an eine behütete Kindheit“

Sabine Küster und ihre große Schwester Brigitte genossen die Kindheit in der Christianstraße.

Sabine Küster und ihre große Schwester Brigitte genossen die Kindheit in der Christianstraße.

„Als Kind konnte man sich hier frei bewegen.“ Sabine Küster hat beobachtet, wie sich die Christianstraße verändert hat.

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17. August 2017, 17:56 Uhr

Die Christianstraße war jahrelang ihr zu Hause. Nach mehr als 40 Jahren ist Sabine Küster (62) nun zurückgekehrt. Nicht, um dort zu leben, sondern zu arbeiten. Als Buchhalterin ist sie bei der Malermeisterin Simone Speck angestellt. Auch wenn sich „ihre Straße“ sehr verändert habe, fühle sie sich dort noch immer noch wohl. Im Interview erzählt die heute 62-Jährige, wie es für sie war, in den 50er- und 60er-Jahren in der Christianstraße aufzuwachsen.

Besonderes Recherche-Projekt: Der 360-Grad-Rundgang durch die Christianstraße

Spätestens seit der Flüchtlingskrise ist klar: Die Integration der Geflohenen stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Politiker machen sich Gedanken über eine deutsche Leitkultur. Doch uns interessiert: Wie funktioniert das multikulturelle Zusammenleben vor Ort? JournalistInnen von shz.de haben eine Woche lang in einem sozialen Brennpunkt recherchiert. Am Beispiel der Christianstraße in Neumünster soll hyperlokal über Integrationsherausforderungen und -lösungsansätze berichtet werden.

Alle Artikel der Recherche finden Sie auf www.shz.de/christianstraße.

 

Hier geht es zum 360-Grad-Rundgang durch die Christianstraße.

Frau Küster, Sie sind in der Christianstraße groß geworden. Wie verbunden fühlen Sie sich der Straße heute noch?

Sehr verbunden, denn ich bin hier nicht nur aufgewachsen, sondern sogar geboren – und zwar in der Geibelstraße, Ecke Christianstraße. Meine Mutter hatte eine Hausgeburt. Ich bin quasi mit Blick auf den Wasserturm zur Welt gekommen. Ein Jahr später zogen wir in die Christianstraße Nummer 155. Das waren damals natürlich noch ganz andere Zeiten. Für mich war das hier mein Zuhause – und es ist einfach noch meine Straße.

Wie würden Sie ihre Kindheit beschreiben?

Es war einfach toll hier, ich bin sehr behütet und in einem guten Umfeld groß geworden. Wir sind als Kinder immer zu Fuß zu Karstadt gegangen, um Rolltreppe zu fahren. Das war damals ja etwas ganz Besonderes. Wir konnten einfach durch die Straße laufen. Unsere Eltern haben sich keinen Kopf gemacht. Wir sollten nur zurück sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Das war alles. Hier konnte man sich als Kind völlig frei bewegen.

1956 gab es noch Kopfsteinpflaster in der Christianstraße.
Sabine Küster

1956 gab es noch Kopfsteinpflaster in der Christianstraße.

 

Wie empfinden Sie die Christianstraße heute?

Es ist immer noch schön, aber trotzdem ganz anders. Ich bin hier als behütetes Kind aufgewachsen, wir konnten auch spät am Abend auf der Straße sein. Heute würde ich hier nachts mit meinen Kindern etwas vorsichtiger sein.

An welche Läden erinnern Sie sich besonders?

Auf jeden Fall an Stühmer-Schulz. Das war der Fotograf in der Christianstraße. Es gab fast keinen Neumünsteraner, der dort nicht schon mal fotografiert wurde. Dann waren wir auch immer bei Reimers – der Eisdiele und dem Naschiladen. Bei der Schlachterei Moka hat meine Mutter einkauft, beim Milchmann um die Ecke ebenfalls. Wir hatten hier einfach alles. Wir haben nur in der Christianstraße eingekauft. Wir mussten nicht woanders hin – hier gab es alles.

Sie sind in die Straße zurückgekehrt, warum?

1970 bin ich hier weggezogen. Dann ging es nach Wittorf. Seit zweieinhalb Jahren arbeite ich jetzt als Buchhalterin bei der Malermeisterin Speck. Es ist irgendwie schön, wieder nach so langer Zeit zurückzukehren. Ich kenne die Villa sogar noch von früher. Eine Freundin hat hier mal in der Wohnung oben gelebt. Für mich hängen einfach sehr viele Erinnerungen an der Christianstraße. Deshalb wird das für mich auch immer ein ganz besonderer Ort bleiben – egal, wie es sich hier noch weiterentwickelt.

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