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Gespräch mit Veronika Björn : „Wir sollten darauf achten, deutlich zur Minderheit zu stehen“

vom
Aus der Onlineredaktion

Veronika Björn wurde im April 1955 in Nordschleswig geboren – einen Monat nach den Bonn-Kopenhagener Erklärungen.

Heike Schäfer: Wie hat sich das Leben im Grenzland seitdem verändert?
Veronika Björn: Als ich Kind war, grenzte sich die Minderheit mehr ab. Mein Bruder zum Beispiel wollte im dänischen Sportverein Fußball spielen, weil der deutsche Verein das nicht anbot. Er durfte aber nicht. Wenn wir als kleine Schulkinder mit dem Fahrrad zur Schule gefahren sind, passierte es schon, dass wir von den größeren Schülern der dänischen Schule umgeschubst oder verhauen wurden. Es war zwar kein Gegeneinander zu der Zeit, aber eher ein Nebeneinander statt ein Miteinander.

Durften deine Kinder denn in die dänischen Vereine?
Ja, das durften sie und das waren sie auch. Früher spielte man auch nur in der Minderheit. Heute spielt man in der Nachbarschaft.

Du bist viel in Gremien der Minderheit aktiv. Wie sehr hat sich der Umgang der öffentlichen Stellen mit den deutschen Einrichtungen verändert?
Ich bin seit 1982 Vorsitzende des Kindergartens in Hoyer. Anfangs konnte ich da bei kommunalen Vertretern schon Vorbehalte spüren über die „tysker“, die jetzt wieder kamen. Als Person bin ich aber immer respektiert worden. Ich bin vom Typ Diplomat, so dass irgendwann einer sagte: „Du hast immer gute Argumente, kannst sie erklären und das Positive sehen, auch für die Kommune“. Es gab natürlich immer irgendwelche spitzfindigen Kommunalpolitiker. Ich habe ganz oft auf die Bonn-Kopenhagener-Erklärungen verweisen müssen, die sie dann nicht kannten. Eine Zeit lang hatte ich immer ein Exemplar in der Tasche und habe es denen dann vorgelegt.

Worum ging es da?
Dass wir in den Kindergärten auch dänische Kinder hatten, oder wie ich es sage: Kinder von Eltern, die traditionell nicht der Minderheit zugehörig waren. In den Erklärungen steht aber drin, dass das Nachprüfen der Gesinnung verboten ist. Letztlich ging es darum, Zuschüsse oder Gelder zu streichen.

Wie sehr fällt es heute noch auf, wenn man der Minderheit angehört?

Eigentlich gar nicht. Jetzt wohnst du ja südlich der Grenze, da hat sich ja in der Vergangenheit auch rein praktisch einiges geändert, wenn man die Grenze übertritt. Ganz früher war es ja sogar so, dass der Schlagbaum immer unten war. Später war er oben und der Beamte wollte entweder den Pass sehen oder hat durchgewunken. Erst seit Schengen sind die Posten nicht mehr besetzt.

Sehen sich deine Kinder als Angehörige der Minderheit?
Es war immer so, dass ich meine Prinzipien hatte. Wenn sie nach der neunten oder zehnten Klasse weiter ein normales Abitur machen wollten, dann sollte es das deutsche Gymnasium sein. Mein ältester Sohn war da sehr rebellisch. Zu der Zeit hatte er die Minderheit bis hier. Nach dem Abitur ging er zum Studieren nach Aarhus. Er war drei Monate da oben, dann war er Vorsitzender der Jungen SPitzen. Auch der Jüngere war später Vorsitzender der Jungen SPitzen. Meine beiden Töchter haben in Kopenhagen studiert, im Kollegium der Minderheit gewohnt und eine Aktivitas gegründet, um die deutschen Nordschleswiger in Kopenhagen zu organisieren. Eine sitzt für die SP im Stadtrat in Tondern – so wie mein Vater früher in Hoyer. Für michwar es immer selbstverständlich, dass man sich für die Minderheit engagiert.

Müsste sich die Minderheit wandeln, um weiter bestehen zu können?
Ich glaube, die Minderheit heute ist offen und tolerant. Wir sollten eher darauf achten, dass wir dazu stehen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es einigen fast peinlich ist, sich zur Minderheit zu bekennen. Mir ging es bei offiziellen Stellen oft so, dass sie dann sagten: Wir wissen genau, wofür du stehst, und dafür respektieren wir dich. Wir sollten darauf achten, deutlich zur Minderheit zu stehen.

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erstellt am 26.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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