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Zeitzeugen 60 Jahre Grenzfrieden : Veronika Björn: Ghetto-Atmosphäre in der Kindheit

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Ein Leben, so lang wie die Bonn-Kopenhagener Erklärungen: Veronika Björn erinnert sich an raue Zeiten im Miteinander.

Ein Leben, so lang wie die Bonn-Kopenhagener Erklärungen: Als Veronika Björn im April 1955 in Hoyer bei Tondern zur Welt kam, war das neue deutsch-dänische Abkommen gerade mal einen Monat alt. Die nationale Spaltung der Gesellschaft hat die heutige Lehrerin an der deutschen Schule Lügumkloster noch hautnah mitbekommen. Björns Bruder zum Beispiel wollte gern im dänischen Sportverein Fußball spielen, weil dies in Reihen der deutschen Minderheit nicht angeboten wurde. Er durfte aber nicht. „Und wenn wir als Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fuhren passierte es schon, dass wir von den größeren Schülern der dänischen Schule umgeschubst oder verhauen wurden“, schildert die Frau von der Westküste. „Früher spielte man als Kind auch nur in der Minderheit. Heute spielt man in der Nachbarschaft.“

Als Erwachsene trug Björn eine  Zeit lang immer ein Exemplar der Bonn-Kopenhagener-Erklärungen in der Tasche. Da war sie – 1982 – Vorsitzende des deutschen Kindergartens im dänischen Hoyer geworden. Sie brauchte die Papiere, um in Verhandlungen mit Kommunalpolitikern um Zuschüsse auf die Gleichstellung der deutschen Volksgruppe zu verweisen. Daher  kennt sie Diskussionen darüber, dass es in den Kindergärten der Minderheit auch Kinder „von Eltern gibt, die traditionell nicht der Minderheit zugehörig waren. In den Bonn-Kopenhagener Erklärungen steht aber, dass das Nachprüfen der Gesinnung verboten ist.“

Auch Rebellion gegen die Pflege einer eigenen Minderheiten-Identität kennt die Mutter aus der eigenen Familie – und wie schnell dies wieder  umschlagen kann. Björns ältester Sohn „hatte die Minderheit bis hier und ging  zum Studieren nach Aarhus“, erzählt sie. Aber: Drei Monate später war er Vorsitzender der  Jungen SPitzen, der politischen Nachwuchsorganisation der Minderheit. Eine ihrer Töchter sitzt für die SP im Stadtrat von Tondern.  Björn wünscht sich, dass andere  ebenso engagiert zur eigenen Herkunft stünden.  „Manchmal habe ich den Eindruck, dass es einigen fast peinlich ist, sich zur Minderheit zu bekennen. Mir selbst ging es bei offiziellen Stellen oft so, dass sie  sagten: Wir wissen genau, wofür du stehst, und dafür respektieren wir dich.“

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erstellt am 26.Mär.2015 | 06:04 Uhr

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