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Zeitzeugen 60 Jahre Grenzfrieden : Niklas Neubauer: „Sind relativ gleich gestrickt“

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Der Schleswiger Niklas Neubauer studiert in Sonderburg und er schätzt die Normalität, mit der sich junge Leute heute in der Grenzregion bewegen.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 05:45 Uhr

Niklas Neubauer war eigentlich schon auf dem Weg nach Hause von einem Info-Tag in seiner Schule zu Beruf und Studium. Der Schleswiger hatte sich ohnehin bereits an Unis in Hamburg und Frankfurt beworben. Doch dann wurde er vor einem Stand noch einmal angesprochen: Ob er je darüber nachgedacht habe, in Dänemark zu studieren?

Der Fragesteller auf dem Gang des Beruflichen Gymnasiums in der Schleistadt entpuppte sich als Marketing-Mitarbeiter der Süddänischen Universität in Sonderburg. Zwar konnte Neubauer kaum ein Wort Dänisch. Aber ein Studium in „Economics and Business Administration“ komplett auf Englisch, noch dazu direkt in der Nachbarschaft – das klang so verlockend, dass eine Besichtigungstour folgte.

Das hochmoderne Gebäude, die technische Ausstattung, kleine Gruppen und insbesondere das tägliche Training in Englisch überzeugte den Deutschen. Im Herbst 2013 fing er in Sonderburg an, für dieses Jahr plant der knapp 22-Jährige seinen Bachelor-Abschluss.

20 Absolventen umfasst sein Jahrgang in seinem Studiengang; Deutsche sind mit sechs Personen sogar doppelt so stark vertreten wie Dänen. Gerade, dass Neubauer weder familiär noch schulisch einen dänischen Hintergrund hat, zeigt – so findet er – die Normalität, mit der sich junge Leute heute in der Grenzregion bewegen.  Die Spannungen von einst findet der Schleswiger „eher lächerlich“. Denn: „Wenn man von Mensch zu Mensch in Interaktion ist, merkt man, dass alle doch relativ gleich gestrickt sind.“ Beileibe nicht nur auf Deutsche und Dänen bezieht sich diese Erfahrung.

Mit 62 Nationalitäten ist der Campus von Sonderburg der vielfältigste ganz Dänemarks. Ein Symbol, dass sich die Grenzregion nach dem Ausgleich zwischen Deutsch und Dänisch auf dem Weg in eine internationale Sphäre befindet. Nicht nur in Sonntagsreden. Nicht europatauglich findet Neubauer „die katastrophale Verkehrsanbindung“ über die Grenze: Keine Bahn zwischen den Städten, der Bus nach Flensburg fahre viel zu selten und zu langsam. Und dass ein deutscher Student mit Wohnsitz Dänemark seinen Wagen nicht benutzen kann, ohne ihn dort zu einem „unbezahlbaren“ Steuersatz anzumelden – das kann er nicht nachvollziehen.

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