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Zeitzeugen 60 Jahre Grenzfrieden : Karl Kring: „Druck aus Bonn auf Kiel“

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Mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen vom 29. März 1955 legten die Bundes- und die dänische Regierung den Grundstein für die deutsch-dänische Aussöhnung. Karl Kring erinnert sich.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 06:00 Uhr

1956, ein Jahr nach den Bonn-Kopenhagener Erklärungen, wurde Karl Kring im Sekretariat des Südschleswigschen Vereins in Flensburg angestellt. „Damals hätten wir uns nicht träumen lassen, dass Deutsche und Dänen eines Tages beim Oeversee-Marsch (zum Gedenken an die Gefallenen des deutsch-dänischen Krieges von 1864, Anm. d. Red.) Seite an Seite gehen würden”, sagt der heute über 90-Jährige. Er hat im Laufe der Zeit zahlreiche Posten in der dänischen Minderheit bekleidet, unter anderem als oberster Chef des Südschleswigschen Vereins.

Viele halten die Erklärungen von vor 60 Jahren für epochal, aber Kring behält ruhig Blut: „Das preußische Schulgesetz von 1928 stellte ja auch fest, dass das Bekenntnis zu einer Minderheit frei war und nicht nachgeprüft werden darf – so völlig neu war das also nicht.” Das Wichtigste ist aus seiner Sicht, „dass die Bundesregierung Druck auf die Landesregierung ausübte“. Diese habe stark unter dem Eindruck des Grenzkampfes gestanden, der zwischen Deutsch und Dänisch direkt nach dem Krieg entflammt war. „Konkret bedeutete das, dass der SSW als Folge der Bonn-Kopenhagener Erklärungen bei Landtagswahlen von der Fünf-Prozent-Hürde befreit wurde. Und dass eine vernünftige Regelung gefunden wurde, die den Schulen der dänischen Minderheit das Examensrecht gab.”

Ohne die Erklärungen – so Kring – hätte es deutlich länger gedauert, beide Punkte zu regeln. Nach den schönen Worten bei der Unterzeichnung der Erklärungen wurde später auch eine bessere Lösung für die Finanzierung der dänischen Schulen in Südschleswig gefunden. Bonn-Kopenhagen war nach Meinung Krings ein „Türöffner – aber es hat nicht erst das Licht angemacht.”  Etwas Anderes war es, die Einstellungen in den Köpfen zu verändern. Das verlief langsam, und noch viele Jahre nach 1955 hörte man Sprüche wie ,Dänische Schule – Dumme Schule’, sagt Kring. Er meint, dass die 60 Jahre alten Erklärungen nicht nur die Minderheiten betreffe. Das deutsch-dänische Verhältnis insgesamt wurde damit normalisiert.

In jüngster Zeit haben sich einige aus der dänischen Minderheit gemeldet, die sich nicht als Dänen sehen, sondern eine gemischte Identität haben. Von solchen Bekenntnissen hält der Pensionär aus Harrislee gar nichts. „Dann ist man in Wirklichkeit überhaupt nichts”, sagt Kring.

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