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Zeitzeugen 60 Jahre Grenzfrieden : Inge Adriansen: „Ein Risiko, sich zu Tode zu siegen“

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Inge Adriansen entschied sich für Sønderjylland und die Grenzregion, als sie 1967 einen Sonderburger heiratete.

Inge Adriansen entschied sich für Sønderjylland und die Grenzregion, als sie 1967 einen Sonderburger heiratete. Er stammte zwar nicht von hier, wollte aber allenfalls ungern weg. Für seine Frau wurde die etwas zufällige Wahl der Region auch beruflich ihr Schicksal. Erst vor wenigen Monaten ist sie nach einer langen Tätigkeit als Museumskustodin im Sonderburger Schloss in Pension gegangen

„Als ich hierher kam, gab es Geschäfte, die von Dänen aus der Mehrheitsbevölkerung nicht besucht wurden, weil der Inhaber eine unglückliche Vergangenheit hatte. Er stand während des  Kriegs auf der falschen Seite. Darüber wurde recht offen gesprochen”, erzählt Adriansen. „Es war nicht so, dass eine hasserfüllte Atmosphäre geherrscht hätte. Es gab einfach keinerlei Interaktion zwischen den Gruppen. Erst vor ein paar Tagen sprach ich mit einer Frau, die damals Mitglied im Ruderverein in Tondern war. Damals gab es keinen Kontakt zum doritgen Ruderklub der deutschen Minderheit – obwohl beide auf der Wiedau aneinander vorbeiruderten.”

Seitdem hat sie die Stimmung spürbar verändert. Vor allem in den 90er-Jahren bewegten sich die Minderheiten von Gleichgültigkeit und Skepsis zu Versöhnung und Zusammenarbeit. Das lag nach Einschätzung Adriansens nicht zuletzt an den zwei sehr engagierten Vorsitzenden Heinrich Schulz vom Südschleswigschen Verein und Hans Heinrich Hansen vom Bund Deutscher Nordschleswiger. Und: Die Region Sønderjylland/Schleswig wurde 1997 trotz gewaltiger Proteste einiger weniger gegründet. Dass eine Organisation mit einem politischen Willen dahinter und dem Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken, entstand, hat viel bedeutet – sowohl für die Entwicklung der Minderheiten als auch der Mehrheitsbevölkerung”, meint Adriansen. In etwa ab der Jahrtausendwende begann man, auch an den Gedenktagen der jeweils anderen Seite teilzunehmen. Das deutsch-dänische Verhältnis könne ein Modell für andere Minderheiten sein.

Die Herausforderung für die Minderheiten im Grenzland besteht aus Sicht Adriansens darin, „dass sie sich zu Tode siegen“, also darin, dass die friedliche Koexistenz sie überflüssig machen könnte. „Die Flagge weht ja am schönsten im Gegenwind”, stellt Adriansen fest.

Inge Adriansen entschied sich für Sønderjylland und die Grenzregion, als sie 1967 einen Sonderburger heiratete. Er stammte zwar nicht von hier, wollte aber allenfalls ungern weg. Für seine Frau wurde die etwas zufällige Wahl der Region auch beruflich ihr Schicksal. Erst vor wenigen Monaten  ist sie nach einer langen Tätigkeit als Museumskustodin im Sonderburger Schloss in Pension gegangen

„Als ich hierher kam, gab es Geschäfte, die von Dänen aus der Mehrheitsbevölkerung nicht besucht wurden, weil der Inhaber eine unglückliche Vergangenheit hatte. Er stand während des  Kriegs auf der falschen Seite. Darüber wurde recht offen gesprochen”, erzählt Adriansen. „Es war nicht so, dass eine hasserfüllte Atmosphäre geherrscht hätte. Es gab einfach keinerlei Interaktion zwischen den Gruppen. Erst vor ein paar Tagen sprach ich mit einer Frau, die damals Mitglied im Ruderverein in Tondern war. Damals gab es keinen Kontakt zum doritgen Ruderklub der deutschen Minderheit – obwohl beide auf der Wiedau aneinander vorbeiruderten.”

Seitdem hat sie die Stimmung spürbar verändert. Vor allem in den 90er-Jahren bewegten sich die Minderheiten von Gleichgültigkeit und Skepsis zu Versöhnung und Zusammenarbeit. Das lag nach Einschätzung Adriansens nicht zuletzt an den zwei sehr engagierten Vorsitzenden Heinrich Schulz vom Südschleswigschen Verein und Hans Heinrich Hansen vom Bund Deutscher Nordschleswiger. Und: Die Region Sønderjylland/Schleswig wurde 1997 trotz gewaltiger Proteste einiger weniger gegründet. Dass eine Organisation mit einem politischen Willen dahinter und dem Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken, entstand, hat viel bedeutet – sowohl für die Entwicklung der Minderheiten als auch der Mehrheitsbevölkerung”, meint Adriansen. In etwa ab der Jahrtausendwende begann man, auch an den Gedenktagen der jeweils anderen Seite teilzunehmen. Das deutsch-dänische Verhältnis könne ein Modell für andere Minderheiten sein.

Die Herausforderung für die Minderheiten im Grenzland besteht aus Sicht Adriansens darin, „dass sie sich zu Tode siegen“, also darin, dass die friedliche Koexistenz sie überflüssig machen könnte. „Die Flagge weht ja am schönsten im Gegenwind”, stellt Adriansen fest.

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erstellt am 26.Mär.2015 | 06:00 Uhr

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