zur Navigation springen

60 Jahre Bonn-Kopenhagener Erklärungen : Grundgesetz des Grenzlandes: Ein Vorwort von Gwyn Nissen

vom

Mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen vom 29. März 1955 legten die Bundes- und die dänische Regierung den Grundstein für die deutsch-dänische Aussöhnung. Eine weltweit einzigartiges Unterfangen.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Der frühere dänische Minister Bertel Haarder soll einst gesagt haben, dass das deutsch-dänische Grenzland zu 85 Prozent aus Gemeinsamkeiten besteht. Das ist in anderen Grenzregionen Europas nicht der Fall und ist vielleicht die beste Erklärung dafür, warum die Bonn-Kopenhagener Erklärungen für eine harmonische Entwicklung zwischen Mehrheiten und Minderheiten im Grenzland gesorgt haben.

Zwar haben die letzten 15 Prozent zwischenzeitlich für Aufregung gesorgt, aber am Ende waren die Bonn-Kopenhagener Erklärungen immer wieder die moralische Leitschnur für das Zusammenleben von Deutschen und Dänen im Grenzland. Kein Gesetz, keine Abmachung und kein Traktat, sondern zwei minimalistische Erklärungen haben die Entwicklung in Nord- und Südschleswig getragen. Sie haben für Entspannung gesorgt und haben schließlich über Grenz- und Nationalitätsbarrieren hinweg Vertrauen geschaffen.

Die Folgen der Erklärungen sind sicherlich weitreichender, als es sich die Macher vorstellen konnten, als sie damals in den Tagen vor dem 29. März 1955 die letzten Kommas und Formulierungen zurechtrückten. Sie  haben gute Arbeit geleistet, denn es ist in den vergangenen 60 Jahren kein einziger Buchstabe in den Erklärungen verändert worden.

Die Minderheiten nördlich und südlich der Grenze spielten bei der Ausarbeitung der Bonn-Kopenhagener Erklärungen kaum eine Rolle. Aber ihre Symbolik ist für die Minderheiten auch 60 Jahre später von großer Bedeutung. Es ist das Grundgesetz des Grenzlandes. Des deutschdänischen Grenzlandes, denn nirgends in dieser Welt gibt es ähnliche Erklärungen.

Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen zeigen, wie zwei Gesellschaften Minderheitenpolitik auf Augenhöhe vorgelebt haben. Der Weg war zwar manchmal holprig und es gibt immer noch Steinchen auf dem Weg. Aber ohne die Bonn-Kopenhagener Erklärungen wäre das deutschdänische Grenzland heute eine ganz andere und mit Sicherheit ärmere Region.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen