Ahoi! : Handfackeln im Sturm

'Peng': Das Knallsignal ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um Hilfe zu rufen. Foto: bma
"Peng": Das Knallsignal ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um Hilfe zu rufen. Foto: bma

Die See ist gefährlich, das dürften jetzt alle mitbekommen haben. In der Sportbootschule nehmen die Katastrophen kein Ende. Die neuesten: Sturm, Nebel und Seenot.

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31. März 2013, 05:27 Uhr

Flensburg | Kapitän Hansen hat einen Lieblingssatz. Der Seemann beschreibt eine Situation auf See, lächelt - und sagt: "Und wenn Sie sich jetzt nicht richtig verhalten, werden sie plötzlich feststellen, dass Sie sterblich sind." Ehrlich gesagt frage ich mich langsam, ob überhaupt irgendjemand einen Tag auf einem Boot auf dem Meer überleben kann. In meiner ersten Stunde nach einer längeren Pause geht es in der Bootsschule mal wieder um Katastrophen - was auch sonst?

"Sturm-Nebel-Bergung" - dieses Wort lässt mich beim Blick auf den Kursplan erschaudern. Es klingt für mich wie die Königsdisziplin der Seefahrt. Wie gleichzeitig Sturm und Nebel herrschen und dann noch Menschen geborgen werden sollen, habe ich vor dem Unterricht nicht ganz durchdacht. Schließlich vertragen sich Schnee und Sturm ja auch äußerst gut, wie mein erster Nord-Winter zeigt. Eine winterdepressive Stimme in meinem Kopf sagt mir: In diesen Gefilden ist an Unwetter so ziemlich alles möglich. Ich bin also fast ein bisschen enttäuscht, als ich herausfinde, dass ich mich verlesen habe. Der Kurs heißt: "Sturm - Nebel - Bergung". Also alles schön der Reihe nach, nicht auf einmal.

Kapitän - das wäre dann wohl ich

Was ich gelernt habe: Bei Sturm alle Luken schließen. Bei Nebel jemanden für den Ausguck bestimmen - allerdings nicht zu lange, weil er irgendwann halluziniert und Menschen über das Wasser laufen sieht. Wenn man sein Boot aufgibt und bergen lässt, ohne einen Bergelohn zu verhandeln, kann das ganz schön teuer werden. Der Kapitän - und das wäre dann wohl ich - verlässt bei einer Rettung immer als letzter das Schiff.

"Verhalten bei Seenot" ist übrigens noch eine Extra-Lerneinheit. Da lerne ich: Alle pyrotechnischen Seenotsignale - zum Beispiel Handfackeln, die im Fußballstadion Bengalos heißen - leuchten rot. Aber auch erst, seit im Jahr 1912 die Hilferufe der Titanic für Feuerwerk gehalten wurden. Und: Ein Feuer in einer Tonne anzuzünden, ist ein recht gefährlicher Weg, auf sich aufmerksam zu machen. In meinem Lehrbuch steht dieser Tipp trotzdem. Wahrscheinlich für Gefahrensucher.

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