100 Jahre Marineschule : "Hier schlägt das Herz der Marine"

'Viele maritime Gepflogenheiten und Arbeitsweisen haben sich über die Generationen überliefert', sagt Kapitän z.S.   Jürgen Schmidt-Skipiol, Stellvertretenden Kommandeur.
"Viele maritime Gepflogenheiten und Arbeitsweisen haben sich über die Generationen überliefert", sagt Kapitän z.S. Jürgen Schmidt-Skipiol, Stellvertretenden Kommandeur.

Interview mit dem Stellvertretenden Kommandeur, Kapitän z.S. Jürgen Schmidt-Skipiol.

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13. Oktober 2010, 03:51 Uhr

Hat diese Dienststelle für einen Marineoffizier eine besondere Bedeutung?

Die MSM ist die Alma Mater aller Offiziere der Marine, an der sie ausnahmslos einen Großteil ihrer Ausbildung absolviert haben und als Marineoffizier geprägt worden sind. Vielen gilt sie als Stätte, an der "das Herz der Marine schlägt".

Die Marineschule hat Kadetten von vier höchst unterschiedlichen deutschen Marinen ausgebildet - gibt es dennoch eine durchgängige Tradition?

Die Marineschule geht mit den Brüchen in der deutschen Geschichte offen um. Die Unterschiede gerade im Führungsverständnis, aber auch im Rechtsverständnis, Menschenbild und Selbstbild zu den Vorläufermarinen aus Kaiserzeit, Weimarer Republik und Nationalsozialismus werden im Unterricht thematisiert. Dennoch gibt es Traditionslinien, die sich im Wesentlichen auf die Leistungen unserer Vorgängermarinen auf dem Gebiet der Seemannschaft und Navigation begründen. Viele maritime Gepflogenheiten und Arbeitsweisen haben sich über die Generationen überliefert, die extreme Abhängigkeit von der rauen Natur der See ist jedem Marineoffizier seit Jahrhunderten bewusst - dies verbindet uns natürlich mit allen Vorgängern.

Der Bau der Marineschule hat große Impulse für Flensburg gebracht. Ist die MSM ihrer Ansicht nach ins zivile Flensburg gut integriert?

Der gesamte Ostteil mit dem inzwischen riesigen Stadtteil Mürwik wäre ohne die Präsenz der Marine so nicht entstanden. Das ist ein städtebaulicher Fakt. Über die Integration der MSM in die Stadt sagt dies wenig - hier kommt es auf die Menschen an. Aus meiner Sicht als Wahl-Flensburger, der 28 Jahre in dieser schönen Stadt wohnt, ist die Marine längst in Flensburg "angekommen". Vertreter der Marine werden zu den wichtigen Ereignissen der Stadt eingeladen, Repräsentanten der Stadt zeigen sich bei allen für uns wichtigen Anlässen, Marineuniformen im Stadtbild werden unaufgeregt wahrgenommen, und jährlich tagt die Ratsversammlung der Stadt in der Aula der MSM - mehr Integration ist kaum vorstellbar.

In Flensburg wünscht man sich, die Stadt möge auch Heimathafen der Gorch Fock sein. Haben Sie Verständnis für diesen Wunsch?

Die MSM hat durchaus Verständnis für diesen Wunsch, und manch ein Offizier der MSM sähe vielleicht selbst gerne die Gorch Fock permanent vor der Kulisse der Schule - insbesondere da wir heute mit der Erweiterung der Blücherbrücke vordergründig einen Liegeplatz für das Schiff hätten. Aber dies ist eben nur die eine Seite der Medaille - die MSM hat nicht die Fähigkeiten eines Marinestützpunkts wie Kiel sie bietet. Die logistische Versorgung der Gorch Fock wäre in Flensburg schlicht nicht leistbar, und so müssen wir uns eben darauf beschränken, "unsere" Gorch Fock (denn sie ist der MSM zugehörig und untersteht dem Kommandeur) nur ab und zu bei Vereidigungen zu sehen.

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