100 Jahre Marineschule : Geschichte der Schule

Zum 100. Geburtstag der Marineschule kommt sogar Bundespräsident Christian Wulff. Foto: Dewanger
Zum 100. Geburtstag der Marineschule kommt sogar Bundespräsident Christian Wulff. Foto: Dewanger

Sie hat in ihren 100 Jahren viel erlebt, die Marineschule Mürwick. Hier ein Überblick über ihre bewegte Geschichte.

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11. August 2010, 05:10 Uhr

Sommer 1890: Die erste Berührung der Flensburger mit der Marine. Bei einem kombinierten Manöver von Armee und Marine im Raum Sonderburg zieht fast die gesamte Manöver- und Übungsflotte der Kaiserlichen Marine vor Holnis auf.

1900: Kurz nach der Jahrhundertwende meldet das Kommando von SMS Blücher den Bedarf an Wohn- und Unterrichtsquartieren an. Es wird empfohlen, auf dem Gelände der abgebrochenen Mürwiker Ziegelei eine Werkstatt mit Unterrichtsräumen, Lehrsäle, Küche, Speiseräume einzurichten.

1901: Die Kaiserliche Intendantur legt die Pläne vor und ermittelt Kosten von 630.000 Mark. Verhandlungen über den Ankauf des Geländes an der Wasserkante bei der Mündung des Baches Osbek haben begonnen.

22. Juni 1903: Kaiser Wilhelm II billigt den Plan, die Marineschule von Kiel nach Flensburg-Mürwik zu verlegen – auch um die Soldaten den "schädlichen Einflüssen" der Großstadt und Arbeiterhochburg Kiel zu entziehen.

9. März 1905: Vertreter der Stadt Flensburg und der Marine unterzeichnen den Schenkungsvertrag für das Grundstück der Schule.

Spätsommer 1906: Baubeginn für die Marineschule nach dem Entwurf des Marine-Intendantur- und Baurates Kelm.

1. April 1910: Die zum Landkreis Flensburg gehörenden Gemeinden Twedterholz (Standort der Schule), Fruerlund und Engelsby werden in die Stadt Flensburg eingemeindet. Damit gehört das Marinegelände zur Stadt.

Mai 1910: Zur Versorgung der vielen Marinesoldaten in Mürwik entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule und im Baustil angeglichen das Marinelazarett mit 100 Betten.

1. Oktober 1910: Mit der Crew 09 ziehen die ersten Fähnriche ein.

21. November 1910: Kaiser Wilhelm II eröffnet die Marineschule. Rund 4000 Soldaten sind in Mürwik stationiert.

1912: Mit der Kaiser-Wilhelm-Straße (Mürwiker Straße) verbindet endlich eine angemessene Straße Mürwik mit der Stadt Flensburg. Die Straßenbahnlinie 3 fährt bis zur Kelmstraße.

August 1914: Beginn des Ersten Weltkrieges. Der Lehrbetrieb wird eingestellt, Seekadetten und Fähnriche auf die Hochseeflotte verteilt. In einen Teil der leer stehenden Räume zieht die Funkschule ein.

5. November 1918: Mannschaften und Unteroffiziere der Marine versammeln sich im Flensburger Gewerkschaftshaus, wählen einen Soldatenrat, verlangen verbesserte Verpflegung und disziplinarische Erleichterungen. Das Marinekommando stimmt zu.

11. November 1918: Mit dem Waffenstillstand endet der Erste Weltkrieg. Das Kaiserreich bricht zusammen, die Kaiserliche Marine ist am Ende, die Kasernen leeren sich.

1920: In einer Volksabstimmung soll die Bevölkerung über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Dänemark abstimmen. Eine Bedingung: Deutsche Truppen müssen die Stadt verlassen, britische Soldaten den Ablauf der Abstimmung sicher stellen. In die Marineschule ziehen die Sherewood Foresters ein. Im Juni kehrt die Reichsmarine zurück.

10. September 1920: Wiedereröffnung der Schule. Von Swinemünde wird die Funkschule der Inspektion des Torpedowesens nach Mürwik verlegt.

1922: Der Marineschule werden die Lehrgänge für Leibesübungen eingegliedert.

1923: Neue Sportanlagen mit einer Halle werden die ersten Neubauten der Reichsmarine in Mürwik nach dem verlorenen Krieg.

1925/27: An der Kelmstraße und am Parkhof entstehen Wohnungen für Offiziere und Unteroffiziere.

1933: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten stieg die Zahl der Offiziersanwärter sprunghaft an. Rund um die Schule entstehen Barackenlager, die die Soldaten aufnehmen sollen: das Danzig-Lager (in Trampedach-Lager umbenannt) hinter der Schule, das Heinz-Krey-Lager gegenüber der Sportschule und das Nord-Lager (später Mützelburg-Lager) auf dem Gelände des Marine-Fernmelde-Stabes 70.
1936: Beginn der Bauarbeiten für die Marinesportschule.

September 1939: Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges werden eine Fülle von Arbeiten in Angriff genommen, die mehr Platz und eine gewisse Verteidigungsfähigkeit der Marineanlagen schaffen sollen. Zeitweise waren in Mürwik über 10.000 Soldaten stationiert.

30. April 1945: Hitler ernennt Großadmiral Dönitz zu seinem Nachfolger. Der flüchtet aus dem brennenden Berlin mit der "Reichsregierung" nach Flensburg in die Marineschule.

7. Mai 1945: Aus seinem Quartier, der Marinesportschule, gibt Dönitz den Befehl zur Kapitulation der deutschen Truppen. Zigtausende von Soldaten und Flüchtlingen retten sich nach Flensburg. Etliche von ihnen finden Unterkunft in den Barackenlagern. Die Schule wird in den letzten Kriegstagen zum Lazarett.

23. Mai 1945: Die britischen Besatzer verhaften Dönitz.

21. März 1946: Im Ostflügel der Schule nimmt die neugegründete Pädagogische Hochschule Flensburg ihre Arbeit auf. Die Studenten werden im Heinz-Krey-Lager untergebracht.

Herbst 1947: Die als Lazarett genutzten Teile der Schule werden in die Städtischen Krankenanstalten integriert.

1950: Nach Auflösung des Krankenhauses kann die Pädagogische Hochschule auch den Südflügel übernehmen. Die Studenten wohnen in den ehemaligen Fähnrichsquartieren. Im Nordflügel wird die Zollschule eingerichtet.

7. August 1956: Die Marine bezieht wieder das Gebäude, es beginnt die Ausbildung der Crew I/56. Soldaten und Studenten teilen sich das Gebäude in einem "harmonischen Nebeneinander". Mehrere Ehen von Lehrerinnen und Offizieren waren eine Folge.

Ende 1959: Nach der Einweihung der neuen Pädagogischen Hochschule ziehen die letzten Studenten aus der Marineschule aus.

Herbst 1986: Einweihung eines hochmodernen Schiffsführungs-Simulators.

25. Februar 1989: Flotillenadmiral Klaus-Dieter Sievert, Kommandeur der Marineschule, bestätigt öffentlich das Interesse der Schule, das Gebäude der Klinik Ost (ehem. Marinelazarett) zu übernehmen, um die steigende Zahl der Offiziersanwärter unterzubringen.

1983: Beginn der Sanierungsarbeiten am Schulgebäude.

15. August 1989: Mit der Vereidigung der Crew IV/89 treten erstmals fünf Frauen in den Dienst der Marine: Kirsten Bäumler, Edith Schlecht, Constanze Wrage, Nicole Steinhorst und Sonja Masuch. Der Kommandeur begrüßt die Soldaten: "Meine Damen und Herren Matrosen."

Frühjahr 1990: Aus finanziellen Gründen gerät beim Bund der Unterhalt der beiden "Marine-Zwölfer" – der legendären Yachten "Ostwind" und "Westwind" – in die Diskussion.

September 1990: Die ersten Offiziere der Nationalen Volksarmee der DDR beginnen ihre Ausbildung in Mürwik.

3. Oktober 1990: Wiedervereinigung Deutschlands. Mit den Crews I/91 und VII/91 bildet die Schule erstmals wieder Offiziersanwärter aus ganz Deutschland aus.

Oktober 1991: Das Verteidigungsministerium verabschiedet sich aus Kostengründen von dem Gedanken, die Marineschule um die "Klinik Ost" zu erweitern.

15. Dezember 1996: Die Flensburger Ratsversammlung formuliert die Bitte an den Verteidigungsminister, Flensburg als neuen Heimathafen für das Segelschulschiff "Gorch Fock" zu benennen – auch zum Ausgleich der Folgen des massiven Truppenabbaus.

Januar 1998: Eingehende Bauuntersuchungen ergeben, dass der Turm der Marineschule nicht zu sanieren ist. Der Abriss beginnt.

Ende 2002: Nach Abriss und Neubau steht der Turm wieder ohne Gerüste und Stützen.

Sommer 2010: Abschluss der Sanierungsarbeiten.

13. August 2010: Zum 100jährigen Bestehen der Schule kommt Bundespräsident Wulff zur Vereidigung nach Mürwik.

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