100 Jahre Marineschule : Crew-Bolzen: Wenn der Knalleffekt zündet

Offizier und Gentleman: Admiral Sievert reitet zur Musterung ein. Foto: MSM
Offizier und Gentleman: Admiral Sievert reitet zur Musterung ein. Foto: MSM

Elefantenritt und "Jolly Roger": Fähnrichsstreiche haben an der Marineschule Tradition. Viele "Gefahren" lauerten im Laufe der Zeit auf die die Ausbilder.

shz.de von
13. Oktober 2010, 03:51 Uhr

Flensburg | Immer wenn ein Lehrgang endet, beginnt für die Kommandeure der Marineschule eine besondere Zeit. Sie ist einer dauerhaften Gefechtsbereitschaft nicht unähnlich. Irgendwo im Nebel lauert das Unbekannte, und der "Alte" auf der Brücke weiß, sein Gegenspieler wird zuschlagen. Irgendwo da draußen, seit ewig langer Zeit, Jahr für Jahr, reift in Fähnrichshirnen der Plan, der Alma Mater einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und jeder Kommandeur kennt ihn, diesen Moment, wenn der Knalleffekt zündet. Wenn vor dem Dienstzimmer ein Reitelefant wartet, wenn eine Stripperin im Fähnrichskostüm antritt - dann ist Crewbolzen-Zeit.

Die Liste des Schabernacks ist endlos lang und längst nicht alle Crewbolzen hatten die Qualität zum unvergesslichen Evergreen. Aber eine ganze Menge der Fähnrichsstreiche haben es in die Bolzen-Akte geschafft, die im Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum für die Nachwelt geführt wird. Die Crew IV/1965 etwa, die ihren Kommandeur mit einem Kinderfest überraschte, legte mit weit über 1000 quietschvergnügten Gästen die verhängnisvolle Saat für einen zweiten Streich. Jahre später plakatierte die Crew VII /70 einen Tag der offenen Tür mit Marinemusikkorps, Erbsensuppe und Fachvorträgen für die interessierte Öffentlichkeit: Der damalige Kommandeur Ostertag war ebenso als Redner angekündigt wie besonders beliebte Hörsaalleiter. Kapitänleutnant von Hahn etwa, zum Thema: "Lohnt es sich, einen Leutnant zu heiraten?" und "Sachgerechte Anwendung der ABC-Plane im Haushalt". Gewarnt vom durchschlagenden Erfolg des Kinderfestes musste die Schulleitung den Tag der offenen Tür in einer großformatigen Zeitungsanzeige als Crewbolzen widerrufen. "Es handelt sich um einen nicht ganz durchdachten Scherz", teilte die militärische Führung mit.

1995 traten dänische Kameraden zur Musterung an, 2001 wehte statt des Bundesadlers die Piratenflagge hoch oben über dem Turm, 2004 gestalteten die Fähnriche ein Preisausschreiben ("Gewinnen Sie eine Reise mit der Gorch Fock!") und legten damit das Geschäftszimmer der Schule lahm. Unvergessen blieb der Streich der Crew VII/1988, die sich vom zufällig in der Fördestadt gastierenden Zirkus Busch einen Elefanten auslieh und Flottillenadmiral Sievert zum Dienst einreiten ließ. Als Offizier und Gentleman meisterte der Kommandeur diese heikle Mission souverän. Vom Rücken des Dickhäuters lässig grüßend nahm Sievert die Parade ab. Wahrscheinlich war er erleichtert. Ein Kinderfest wäre schlimmer gewesen.

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