zur Navigation springen

Geldanlage und Feriendomizil : Sommerhaus-Debatte in Dänemark: Sollen Deutsche kaufen dürfen?

vom
Aus der Onlineredaktion

Dänemark kriegt seine Ferienhäuser nicht an den Mann, verbietet Ausländern aber seit Jahrzehnten den Kauf. Das muss sich ändern, meinen die Liberalen. Aber die Angst vor Job-Abbau und Überfremdung ist groß.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2016 | 16:46 Uhr

Esbjerg | Sommerhäuser in Dänemark verkaufen sich schlechter denn je, 3000 Objekte suchen derzeit einen neuen Besitzer. Gleichzeitig hat es aber noch nie so viele Mietbuchungen gegeben, denn vor allem die Deutschen kommen wieder zunehmend gerne an die Küsten. Nun wird wieder etwas lauter diskutiert, ob es nicht besser wäre, Ausländern den Kauf von Ferienhäusern an der Westküste zu erlauben. Seit 1973 ist das quasi unmöglich. Die Partei Liberale Alliance will den Vorbehalt zum Einsturz zu bringen. Doch die Furcht vor negativen Konsequenzen ist groß.

Während es für Deutsche problemlos möglich ist, Wohnhäuser in Dänemark zu kaufen, wird der Ferienhausmarkt bis zum heutigen Tage geschützt. Der Protektionismus hatte lange positive Effekte für die dänische Wirtschaft, ist inzwischen aber auch ein Last.

Auf große Nächstenliebe stieß der Gesetzesvorschlag in der Osterzeit nicht. Nur die sozialiberale Partei Radikale Venstre wollte den Antrag neben den Initiatoren gutheißen. Immerhin kann seit der Parlamentsdebatte ohne Scheuklappen über das „was wäre wenn…“ gesprochen werden. Justizminister Søren Pind von der Partei Venstre kündigte an, dass eine Überprüfung des Sommerhausgesetzes bis Sommer dieses Jahres vorliegen solle. Die Regierungspartei ist zwar wenig überzeugt von einer Aufhebung, zeigt sich aber durchaus gesprächsbereit.

Heftigen Widerstand – jedenfalls verbal – leisteten anfangs die Konservativen, deren Abgeordneter Rasmus Jarlov gleich mit scharfen Worten schoss: „Die dänische Sommerhaus-Regelung ist ein Schutz vor einer Entvölkerung und vor einer Germanisierung der jütischen Westküste“.

Das „Refugium Sommerhaus“ gehört im Land gewissermaßen zum engsten Familienkreis der Menschen. Dass die Öffnung der Kauf-Grenzen zu einem Ausverkauf dieses Kulturgutes führen würde, ist eine Erwartung der Kritiker. Sorge bereitet den Dänen vor allem die Nähe der touristischen Sahnestücke Jütlands zu Hamburg. Eine Schwemme von Käufern und Anlegern aus der Metropole würde die Immobilien-Preise wohl deutlich in die Höhe treiben, Sylter Verhältnisse lassen grüßen. Das würde zwar die Makler und Bauunternehmen freuen, „Familie Pedersen“ könnte sich aber wohl kein Strandhaus mehr leisten. Es wird derzeit geprüft, inwieweit das Risiko besteht, das Deutsche sich Ferienhäuser als Geldanlage gönnen und sie dann leer stehen ließen. Schlimmstenfalls, so die Befürchtung, könnte es zu der Situation kommen, dass letztendlich Deutsche die Häuser an Dänen vermieten. 

Abseits der Verkaufsmisere boomt die Branche der Ferienhausvermietung in Dänemark nämlich, die Konzentration der Branche auf Deutsche Besucher hat sich spürbar gelohnt. Noch nie haben sich so viele Touristen in Häuser eingemietet wie 2015. Für 11,1 Millionen der 17,4 Millionen Übernachtungen checkten Deutsche ein – ein Zuwachs um sieben Prozent. Die Zahl der zu vermietenden Häuser hat sich von 2014 auf 2015 allerdings um lediglich 60 erhöht. Für 2016 befürchtet die Branche deshalb Engpässe, weil sich bereits jetzt ein erneuter Zuwachs an Touristen andeutet. „Das Interesse an Urlaub in Dänemark ist so groß, dass wir 3000 neue und moderne Sommerhäuser vermieten könnten“, sagt Carlos Villaro Lassen, Geschäftsführer des Branchenverbandes der Ferienhausvermieter.

Der Verband trommelt gemeinsam mit der Handwerkskammer kräftig gegen die Initiative aus Kopenhagen. Die organisierten Ferienhausvermieter rechnen damit, dass 10 Prozent der Häuser in deutsche Hand fallen würden, sollte das Verbot wegfallen, schreibt „Jydske Vestkysten“ am Mittwoch. Aus Holland, Mallorca, Südfrankreich und Venedig wisse man, dass die Deutschen die Häuser nur wenige Wochen im Jahr gebrauchen. So würden mindestens 1400 der bisher 14.000 Arbeitsplätze in der Branche entlang der Westküste wegfallen. Vor allem die bei Deutschen sehr beliebten Gegenden Fanø, Röm, Blåvand, Vejers, Henne und das Gebiet entlang der Dünen von Holmsland wären von Arbeitsplatzabbau betroffen, heißt es. Die Handwerkskammer befürchtet ebenfalls den Verlust von Jobs, denn die Deutschen seien dafür bekannt, ihre eigenen Handwerker mitzunehmen.

Die Vereinigung der Baubranche erhofft sich wie die Makler eine Belebung auf dem Immobilienmarkt und gibt der LA-Initiative Rückenwind – laut ihr soll es zumindest ein festes Kontingent an Ferienhäusern für ausländische Käufer geben. Die Bevölkerung würde dem Unterfangen allemal zustimmen. 59 Prozent aller Dänen wünschen sich die Öffnung des Sommerhaus-Immobilienmarktes für Deutsche und andere ausländische Käufer, und nur 28 Prozent sind dagegen. Sie erhoffen sie viel von Marktimpulse, um dem langen Atem der Finanzkrise endlich zu entwischen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen