Oeversee : "Zusammenarbeit kann besser werden"

Begegnung am Österreicher-Denkmal: Hinrich Jürgensen, Hauptredner beim Oeversee-Marsch, und Gerd Christiansen (li.), neuer Voritzender des Stammkomitees von 1864. Foto: geißler
Begegnung am Österreicher-Denkmal: Hinrich Jürgensen, Hauptredner beim Oeversee-Marsch, und Gerd Christiansen (li.), neuer Voritzender des Stammkomitees von 1864. Foto: geißler

Mahnungen in den Reden zum Oeversee-Marsch. 450 Teilnehmer erinnerten an Schlacht und Hilfsaktion.

shz.de von
07. Februar 2013, 07:09 Uhr

Oeversee | Aus einem jahrzehntelangen Gegeneinander und Nebeneinander ist längst ein Miteinander geworden: Seit 2004 rufen das deutsche Stammkomitee von 1864 und der Sydslesvigsk Forening als Dachorganisation der dänischen Kulturverbände im Landesteil Schleswig gemeinsam zur Teilnahme am traditionellen Oeversee-Marsch auf. Der Marsch soll an die verlustreiche Schlacht zwischen den mit Preußen verbündeten Österreichern und den Dänen vor 149 Jahren erinnern und auch an die Entschlossenheit Flensburger Bürger, Verwundete beider Seiten zu versorgen. "Diesen humanitären Einsatz würdigen wir heute zu recht", betonte Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), in seiner Gedenkrede, die er gestern am Österreicher-Denkmal hielt, dem Ziel des Marsches.

Gestern Vormittag hatten sich auf dem Neumarkt in Flensburg etwa 450 Personen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, namentlich aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, versammelt, um gemeinsam die etwa acht Kilometer lange Strecke nach Sankelmark zu Fuß zurückzulegen - so wie es einst jene Männer und Frauen taten, die - erschüttert von Berichten über das Elend auf dem Schlachtfeld in der Gegend um den Sankelmarker See - den verwundeten Soldaten zur Hilfe eilten. Die dicke Schneeschicht war an vielen Stellen "mit Blut getränkt", hatte ein Zeitzeuge berichtet. Und: "Ohne in weichliche Klagen zu verfallen, muß ich doch gestehen, daß wir uns beim Anblick dieses Jammers nicht der Thränen enthalten konnten."

Angeführt wurde der Gedenkmarsch entlang der Landesstraße von Vertretern des Stammkomitees und des Sydslesvigsk Forening. Kränze wurden niedergelegt am "Denkmal am Walde" in Sankelmark, einem Ort mit Symbolkraft: Hier wurden in einem gemeinsamen Massengrab 43 Österreicher und 14 Dänen bestattet. Das Denkmal wurde 1870 vom "Hülfs-Comité von 1864" errichtet, aus dem bald darauf das Stammkomitee hervorging.

Hinrich Jürgensen wies am Österreicher-Denkmal auf den Bedeutungswandel hin, den der Traditionsmarsch nach Oeversee erlebt habe - von einer "sehr deutschen Veranstaltung zu einer deutsch-dänischen Veranstaltung unter Beteiligung der Minderheiten", und äußerte die Erwartung, dass der 150. Jahrestag des deutsch-dänischen Krieges von 1864 mit seinen Gefechten in Oeversee und Düppel im kommenden Jahr in Anwesenheit der beiden Staatsoberhäupter begangen werden kann.

Der BDN-Hauptvorsitzende charakterisierte die deutsch-dänischen Beziehungen als "gut wie nie zuvor". "Sie sind gekennzeichnet von gegenseitigem Respekt und Vertrauen." Es gebe aber noch viel zu verbessern. Hinrichsen bemängelte, dass nördlich und südlich der Grenze immer noch parallele Strukturen aufgebaut würden anstatt die Kräfte in der Region zu bündeln. Ein gutes Symbol mit großer Bedeutung könne das Projekt eines gemeinsamen deutsch-dänischen Bahnhofs für den Güter- und Personenverkehr sein.

Auch müsse daran gearbeitet werden, die Sprachbarrieren weiter abzubauen. Das müsse schon im Kindergarten beginnen. Ferner regte er Jugendaustauschprogramme mit Dänemark an, wie sie die Bundesrepublik heute mit Polen, Tschechien und Frankreich unterhalte. Im Anschluss an die Rede wurden auch am Österreicher-Denkmal Kränze niedergelegt.

Zu Beginn eines gemeinsamen Essens in Tarp dankte Gerd Christiansen als neuer Vorsitzender des Stammkomitees von 1864 dem Gedenkredner Hinrich Jürgensen für dessen fundierte Skizzierung des deutsch-dänischen Verhältnisses und dafür, dass er dabei auch konkrete Vorschläge unterbreitet habe, wie dieses zum Wohle der Menschen beiderseits der Grenze weiterentwickelt werden könne. Christiansen: "Wir müssen mit der Arbeit sofort anfangen."

Der Flensburger Kaufmann Gerd Christiansen hat die Nachfolge von Hans Dethleffsen angetreten, der viele Jahre an der Spitze des Stammkomitees gestanden und aus gesundheitlichen Gründen sein Vorstandsamt zur Verfügung gestellt hat. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde der frühere Kreispräsident Johannes Petersen aus Glücksburg gewählt. Dethleffsen wird aber weiterhin dem Gremium verbunden bleiben, versicherte Christian sen. Die Krönung der Amtszeit von Hans Dethleffsen sei das erste gemeinsame deutsch-dänische Oeversee-Gedenken am 6. Februar 2004 gewesen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen