Hochseeinsel : Zu viele Ferienappartements: Wohnraum auf Helgoland wird knapp

Helgoland

Helgoland hat bis zu 1000 Betten für seine Gäste zu bieten.

Die Gemeinde will ab Mai jede Umwandlung von Wohnraum in eine Ferienwohnung prüfen.

shz.de von
25. April 2018, 07:37 Uhr

Helgoland | Helgoland braucht Wohnraum – und will deshalb die Umwandlung von Wohnungen in Feriendomizile stoppen. „Es wird in vielen Urlaubsregionen seit 30 Jahren enorm viel von Wohnraum in Appartements gewandelt – auf Helgoland allein mehr als 1000 Betten“, sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer (parteilos). Auf Deutschlands einziger Hochseeinsel gebe es derzeit aber ausreichend Unterkünfte für Urlauber. Gebraucht werde mehr Wohnraum für die Menschen, die auf Helgoland leben und arbeiten wollen – gerade angesichts des Wachstumskurses der vergangenen Jahre in den Bereichen Tourismus, Offshore und Forschung.

Deshalb will die Gemeinde am Donnerstag (26. April) eine sogenannte Erhaltungssatzung erlassen, die am 1. Mai in Kraft treten soll. „Ab dann werden wir mit relativ scharfer Klinge sagen: Wer aus Wohnraum eine Ferienwohnung machen will, muss einen Antrag stellen – und die Wahrscheinlichkeit, dass der abgelehnt wird, ist sehr hoch.“

Ein wichtiges Bauprojekt sind die Wohnungen für Singles und Familien, die rund um den Leuchtturm im Oberland entstehen sollen. Die Gemeinde realisiert das 15-Millionen-Euro-Projekt selbst, den Auftrag erhielt eine Bietergemeinschaft. Ursprünglich waren mal 100 Wohnungen geplant, doch es werden lediglich 67, weil auch eine neue Feuerwache benötigt wird, die nun dort gebaut werden soll. „Deshalb fällt leider ein Batzen Wohnungen weg“, sagte Singer.

Es soll bezahlbarer Wohnraum für gut 160 Menschen werden. „Es ist hochqualitative Architektur zu einem sehr guten Preis.“ Charakteristisch seien die dunklen, nicht symmetrischen Dächer und die holzverkleidete Fassade. Die vorgefertigten Module werden von Polen erst mit dem Sattelschlepper, dann per Schiff nach Helgoland gebracht und in recht kurzer Zeit zusammengebaut. „Logistisch ist das für Helgoland schon spektakulär“, erklärte Singer. „Bisher hat man hier immer Stein auf Stein gebaut, dafür hat man dann wegen der widrigen Witterungsbedingungen bisher meist zwei bis drei Jahre gebraucht.“ Deshalb solle es nun auf eine andere Art in viel kürzerer Zeit ausprobiert werden.

Die Erschließung der Fläche läuft seit Anfang des Jahres, im Juli sollen die Bauarbeiten beginnen und bis Januar 2019 fertig sein. „Wir sind voll im Plan“, sagte der Bürgermeister. Voraussetzung für Mieter ist, dass sie den ersten Wohnsitz auf Helgoland haben. Mehr als 220 Anfragen gibt es bereits, die Mietverträge sollen Mitte des Jahres abgeschlossen werden. Singer kündigte an, dass auf der Hochseeinsel in den kommenden Jahren weitere 100 Wohnungen geschaffen werden.

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