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Lärmatlas : Zu viel Verkehrslärm in den Gemeinden in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experten fordern besseren Schutz der Bürger und mehr Tempo-30-Zonen.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 19:45 Uhr

Beim Lärmschutz verzeichnet Schleswig-Holstein im Fünf-Jahres-Vergleich kaum Fortschritte. Das zeigt eine Lärm-Kartierung, die das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) in Flintbek jetzt veröffentlicht hat.

Demnach hat sich die Geräuschbelastung in 139 Gemeinden und Städten gegenüber der letzten Untersuchung 2012 verschlechtert. Die Zahl der Kommunen mit Verbesserungen liegt mit 129 leicht darunter. In 158 Gemeinden und Städten blieb die Belastung gleich. Immerhin hat sich die Zahl der lärmgeplagten Einwohner um zehn Prozent leicht verringert. Das liegt laut LLUR daran, dass in den Orten mit verbessertem Lärmschutz mehr Menschen leben als in Kommunen mit Verschlechterungen. In die Erhebung eingeflossen sind alle Orte mit Straßenabschnitten, auf denen mindestens 8220 Fahrzeuge pro Tag gezählt werden. Das ist die Schwelle, ab der Experten den Lärm nicht von vornherein als vernachlässigbar einstufen.

Geringer als 2012 fällt die Belastung zum Beispiel in Schleswig und Lübeck aus, stärker wurde sie etwa auf Sylt. Rückschritte führt das LLUR meist auf gestiegenes Verkehrsaufkommen zurück. Erfolge sind zum Beispiel begründet in Lärmschutzwänden oder -wällen, die 30 Kommunen erweitert haben, oder in Flüsterasphalt, der auf 200 Kilometern hinzugekommen ist. Er kostet ungleich mehr, da er grobporig ist und deshalb mit einem aufwändigen Entwässerungssystem ausgestattet werden muss. Eine veränderte Verkehrsführung, Tempo-Limits, Lkw-Fahrverbote oder Schallschutzmaßnahmen an Häusern haben sich als weitere Hebel für Verbesserungen erwiesen.

Dem als sehr hoch eingestuften Lärm von 65 Dezibel sind ganztags circa 25.000 Schleswig-Holsteiner ausgesetzt. Dabei sehen die Behörden ein signifikant erhöhtes Risiko zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Lautstärke vergleichen Experten mit Kantinenlärm oder einer dauerlaufenden Nähmaschine.

Das Land hält die Kommunen dazu an, sich für mehr Ruhe einzusetzen: „Es ist nun Aufgabe der Städte und Gemeinden, auf Grundlage der neuen Karten die Lärmsituation erneut zu bewerten und schädliche Auswirkungen zu verhindern oder zu mindern“, betont LLUR-Sprecher Martin Schmidt. Das Thema besitzt auch eine politische Dimension: Die EU hat Anfang Oktober ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil sie zu geringe Anstrengungen beim Lärmschutz sieht. Auch der BUND Schleswig-Holstein mahnt mehr Einsatz an: Sprecher Tobias Langguth fordert unter anderem, dass die Kommunen von den erleichterten Möglichkeiten für Tempo-30-Abschnitte stärker Gebrauch machen. „Das ist schließlich der günstigste Lärmschutz“, argumentiert Langguth.

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