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Sonntagskrimi : Zehn Millionen sehen Kölner „Tatort“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

So in der Klemme haben wir Ballauf und Schenk selten gesehen: Im „Tatort – Ohnmacht“ wird der Fall für die Kölner Ermittler zur reinen Nervensache.

Köln | Wieder ein starker Wert für den ARD-„Tatort“: Das Kölner Gespann Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) interessierte mit seinem neuen Fall „Ohnmacht“ 10,09 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil des Films, in dem es um Jugendgewalt ging, betrug 28,9 Prozent.

2014 kommt es für die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) wirklich dicke. Erst wird ihre Assistentin stranguliert („Franziska“), dann verbrennen drei Kinder („Der Fall Reinhardt“). Am Sonntagabend geht es Max gar direkt an die Wäsche. Als er in der U-Bahn bei einer Schlägerei dazwischen geht, wird er brutal umgenietet. Mehr noch: Jemand stößt ihn auf die Gleise. Nur mit Glück überlebt er.

Weniger Glück hat das Opfer des Überfalls, ein Musikstudent, der mit seiner eigenen Geige totgeprügelt wird. Und auch wenn die Täter schnell ermittelt sind – jetzt geht der Horror erst richtig los. Denn den zwei jugendlichen Brutalos, Kai Göhden und Janine Bertram (Robert Baer, Nadine Kösters), ist die Tat einfach nicht nachzuweisen. Selbst Staatsanwalt von Prinz (der 2013 verstorbene Christian Tasche in seiner vorletzten Rolle) kann so die Gewalttäter nicht festsetzen.

Ohnmächtig und verfangen im Dickicht des Jugendstrafrechts, müssen sich unsere Kölner Cops von den Teenies obendrein verhöhnen lassen. Vor allem von Blond-Janine, die sich als Sadistin in Engelsgestalt entpuppt, aber mit ihren Lügen und ihrem Lächeln bislang immer davonkam. In diesem (Mord)Fall auch?

So in der Klemme haben wir Ballauf und Schenk selten gesehen (Buch: Andreas Knaup). Und Regisseur Thomas Jauch setzt alles daran, nicht nur seine Protagonisten, sondern auch uns Zuschauer bis zum Schluss mit der Frage zappeln zu lassen, ob unser Rechtssystem für die Ahndung solcher Just-For-Fun-Exzesse überhaupt taugt.

Die durchweg überzeugende Komparserie lässt uns dabei spüren, wie fragil das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse ist und wie schnell ein solcher Fall zur reinen Nervensache wird. Für die Opfer und – für die Beamten. Fast scheint es, als hätte das Böse die besseren Karten.
Ein alarmierender „Tatort“. Und eine heikle Jugend-Sozialstudie, die das erste Gebot der Zivilcourage („Hinschauen statt Wegschauen!“) mit einem aktuellen Hinweis überklebt: „Achtung! Helfen kann tödlich sein!“

Von der guten Vorlage profitierte auch ARD-Talker Günther Jauch – bei seinem Thema „Mein Kind ist ein Schläger – Ohnmächtig gegen Jugendgewalt?“. Diese Sendung sahen im Anschluss ab 21.45 Uhr 5,96 Millionen Zuschauer (20,9 Prozent).

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