Kiel, Husum, Elmshorn : Zahl der Moscheen in SH steigt rasant

<p>Seit 2016 ruft in Kiel der Muezzin die Moscheegemeinde „Ulu Camii“ zum Gebet.</p>
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Seit 2016 ruft in Kiel der Muezzin die Moscheegemeinde „Ulu Camii“ zum Gebet.

Flüchtlinge sorgen für Ansturm auf Gebetshäuser. 2013 waren es noch 37, jetzt sind es über 60.

Margret Kiosz von
27. März 2017, 19:55 Uhr

Kiel | In den vergangenen zwei Jahren sind rund 65.000 Flüchtlinge – meist muslimischen Glaubens – nach Schleswig-Holstein gezogen. Deshalb platzen die Gebetshäuser jetzt aus allen Nähten. Gab es laut Landesregierung im Jahr 2013 noch 37 Moscheen zwischen Nord- und Ostsee, sind es jetzt deutlich mehr als 60. Genauere Angaben kann momentan weder das Innenministerium noch das für Religionsangelegenheiten zuständige Justizministerium machen.

Nicht nur die Zahl der Moscheen hat zugenommen, sondern auch deren Größe. Beispiel: In Kiel zieht demnächst das islamische Zentrum As-Salam in einen ehemaligen Elektromarkt, der mit großem Aufwand im orientalischen Stil umgebaut werden soll. Kamen früher 150 Gläubige zum traditionell stark besuchten Freitagsgebet, sind es jetzt bis zu 400. Zeitweise mussten sie im Freien ihre Teppiche ausrollen, weil nicht für alle Platz da war.

Auch in Husum zog das Islamische Zentrum Nordfriesland kürzlich in einen stillgelegten Aldi-Markt. Die ebenfalls in der Stormstadt ansässige Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat hat im Industriegebiet ein Grundstück für den Bau einer neuen Moschee erworben. Ihr bisheriges Gebetszentrum in einem Drogeriemarkt sei einfach zu klein geworden, heißt es. Nach Angaben von Ibrahim Yazici, Sprecher des Dachverbandes Schura, hat sich soeben eine weitere Gemeinde in Elmshorn gebildet. Während die christlichen Kirchen in Schleswig-Holstein Gotteshäuser schließen (vier katholische und vier evangelische binnen fünf Jahren), gibt es überall im Land Bestrebungen, Moscheevereine zu gründen – etwa in Eutin und auf Sylt.

Die Moschee im Kieler Elektromarkt wird die 14. in der Landeshauptstadt sein und die elfte im Stadtteil Gaarden. Die Umnutzung zu einer Versammlungsstätte mit Gebetsräumen sei zulässig, teilt die Stadt mit. Dass die Konzentration auf einen Stadtteil der Bildung von Parallelgesellschaften Vorschub leisten könne, streitet die Stadt ab. Ohnehin sei das „für die planungsrechtliche Zulässigkeit nicht relevant“. Nach Auskunft von Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD) „gibt es durch die Vielzahl der Glaubensgemeinschaften keine erkennbaren neuen Probleme“. Zudem tausche man sich regelmäßig mit der Polizei aus und suche den Dialog mit den Glaubensgemeinschaften.

Klaus Onnasch als Vertreter des Interreligiösen Arbeitskreises, der sich um das friedliche Miteinander der Religionen bemüht, ist nicht ganz so optimistisch. Weil syrische Flüchtlinge in der Regel nicht die Predigten in türkischer Sprache verstehen, haben vor allem arabische Islamverbände großen Zulauf, berichtet er. Gerade in diesen Moscheen – häufig von Saudi-Arabien oder den Golfstaaten finanziert – stoßen sie auf eine sehr konservative Auslegung des Islam.  Onnasch: „Die Flüchtlinge geraten zwischen die Fronten. Sie suchen ein Stück Heimat, das machen sich salafistische Prediger zu Nutzen und vereinnahmen sie für ihre Ideologie.“ Das fundamentalische Kräfteverhältnis in den arabischen Ländern spiegele sich hierzulande in den Moscheen wider, so Onnasch.

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