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Orkantief : „Xaver“ zieht sich langsam aus SH zurück

vom

Es wird ruhiger: Der Deutsche Wetterdienst gibt teilweise Entwarnung. Das Orkantief „Xaver“ und Sturmfluten haben Schleswig-Holstein und Hamburg aber zugesetzt. Jetzt wird es glatt.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 21:01 Uhr

Hamburg/Kiel | Umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller, abgedeckte Dächer – Orkantief „Xaver“ hat im Norden für zahlreiche Schäden gesorgt. Das Ausmaß ist aber weniger schlimm als befürchtet. Die Deiche hielten den Wassermassen der Sturmfluten stand. Doch der tosende „Xaver“ brachte den Alltag der Menschen ganz schön durcheinander: Hamburgs und Schleswig-Holsteins Schüler durften am Freitag zu Hause bleiben.

Zahlreiche Flüge am Hamburger Flughafen wurden gestrichen, der Bahnverkehr im Norden war stark eingeschränkt. Nach der dritten Sturmflut in Folge gab die Hamburger Innenbehörde am Freitagabend Entwarnung. „Es besteht für die Bevölkerung keine Gefahr mehr“, hieß es in einer amtlichen Mitteilung.

In Schleswig-Holstein meldeten Feuerwehr und Polizei mehr als 2000 Einsätze – der Schaden war jedoch niedriger als bei Orkantief „Christian“ von Ende Oktober. „Wir haben mit Stand Freitagmittag im Vergleich zu “Christian„ nur ein Zehntel so viele Schadensfälle“, sagte Pressesprecher Heiko Wischer von der Provinzial Nord Brandkasse. Bislang seien einige Hundert Schadenfälle gemeldet worden. Bis in die Nacht zum Samstag soll es im Norden stürmisch bleiben. Daher wurde die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes zunächst aufrechterhalten. Für die Nordseeküste gab er teilweise Entwarnung.

Der offiziell vom DWD gemessene Spitzenwert wurde am Donnerstagabend gegen 21 Uhr mit 148 Stundenkilometern in List auf Sylt erreicht. Auch im Binnenland wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometer gemessen.

Die Fähren zu den Halligen fuhren auch am Freitag nicht, die nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr waren nur eingeschränkt mit dem Schiff erreichbar. Von Sylt kamen Besucher und Anwohner am Freitag noch nicht wieder mit dem Auto zurück aufs Festland. Das Sylt-Shuttle der Deutschen Bahn fuhr ebenfalls nicht. Die Nord-Ostsee-Bahn pendelte seit dem Vormittag wieder mit Personenzügen zwischen Niebüll und Westerland auf Sylt - allerdings kam es weiter zu Behinderungen.

In Hamburg löste „Xaver“ die zweithöchste Sturmflut seit 1976 aus. Am frühen Freitagmorgen stieg der Pegel im Hafen auf 3,98 Meter über dem mittleren Hochwasser (6,09 Meter über Normalnull). Trotz der Wassermassen gab es keine Verletzten und keine größeren Schäden, wie ein Sprecher der Innenbehörde sagte. „Das war für die Deiche kein Problem.“ Fischmarkt, Speicherstadt und Hafencity standen unter Wasser.

Vor der Entwarnungsmeldung war gegen 18 Uhr am Pegel St. Pauli der Scheitelpunkt mit drei Metern über dem mittleren Hochwasser (5,10 Meter über Normalnull) gemessen worden. Einige Straßen im Hafenbereich sollten bis zum Ablaufen des Wassers gesperrt bleiben.

Die Flut war damit rund einen Meter niedriger aufgelaufen als am Morgen. Für das Morgenhochwasser am Samstag rechnete die Innenbehörde nicht mehr mit besonderen Maßnahmen. „Das wird das letzte Mal gewesen sein, dass wir Sperrungen vornehmen mussten“, sagte ein Sprecher.

Bei der Hamburger Hochbahn gab es ebenfalls Behinderungen. In der Nacht zum Freitag war ein Zug der Linie U1 in Großhansdorf gegen einen umgestürzten Baum gefahren und entgleist. Die Einsatzkräfte retteten sechs Menschen aus dem Zug, der Streckenabschnitt werde voraussichtlich bis Montagmorgen gesperrt bleiben, teilte eine Hochbahn-Sprecherin mit. Einige Busse mussten Umwege fahren, weil durch die Sturmflut Straßen nicht passierbar waren.

Außergewöhnlich große Schiffe durften im Hamburger Hafen wegen „Xaver“ nicht fahren – davon betroffen waren etwa 30 Schiffe. Der Fährverkehr im Hafen lief wieder weitgehend normal, fast alle Anleger konnten angesteuert werden. Nach dem Abflauen des Orkantiefs durften auch der Hamburger Dom und die Weihnachtsmärkte wieder öffnen.

In der Nacht zum Freitag war der Hamburger Hafen geräumt und gesperrt worden. Vorübergehend durfte niemand in das Gebiet hineinfahren. Alle 38 Fluttore wurden dicht gemacht. Bei dem Tor an den Landungsbrücken gab es zunächst Probleme, ein Leck konnte mit Ersatzteilen eines benachbarten Tores gestopft werden.

Die Hamburger Feuerwehr rückte seit Beginn des Sturms bis zum Freitagmittag zu mehr als 600 Wettereinsätzen aus. „Zu jedem Zeitpunkt waren die Einsatzkräfte einsatzbereit und haben Großartiges für unsere Stadt geleistet“, erklärte Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD).

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