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Ein Fall für die Polizei : Wucher – Schlüsseldienste nutzen Not der Kunden aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Firmen kassieren völlig überhöhte Preise. Verbraucherzentrale registriert „auffällig viele Beschwerden“.

Kiel/Plön/Husum | Das schamlose Geschäft mit der Not: Schnell den Müll rausgebracht oder nach dem Briefkasten geschaut, und schon ist die Wohnungstür zugeschlagen. Glück hat, wer dann sein Smartphone zur Hand hat oder wem Nachbarn einen Schlüsseldienst rufen. Doch in vielen Fällen folgt auf den Einsatz der herbeigerufenen Handwerker ein Schock. Nicht selten summiert sich die Rechnung auf mehrere Hundert Euro.

In Schleswig-Holstein gibt es auffällig viele Beschwerden über Schlüsseldienste. Mehr als hundert Bürger haben sich im vergangenen Jahr an die Verbraucherzentrale gewandt, weil sie sich zur Zahlung hoher Preise genötigt gefühlt haben.

In Plön stand am Mittwoch der frühere Angestellte und heutige Inhaber eines Schlüsseldienstes vor dem Amtsgericht – wegen Wucher. Er soll die Schlösser nicht fachgerecht geöffnet haben. Trotzdem gab es Rechnungen zwischen 500 und 600 Euro. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, die Zwangssituation der Geschädigten ausgenutzt zu haben.

Kein Einzelfall. „Wir verzeichnen derzeit auffällig viele Beschwerden“, sagt Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Bis zu 400 Euro hätten die Firmen verlangt. „Laut Rechtsprechung sind aber höchstens 150 Euro für einen Notdienst angemessen“, sagt Wita, der sich dabei auf mehrere Gerichtsurteile sowie auf Aussagen des Bundesverbands Metall stützt.

Doppelte Lohnkosten, Pauschalen ohne Begründung oder exorbitante Aufschläge für den Einsatz außerhalb der normalen Arbeitszeit seien auf Rechnungen keine Seltenheit, so Wita weiter. Schwierig für die Betroffenen sei zudem der Umstand, dass zahlreiche Schlüsseldienste die Kosten für den Einsatz erst vor Ort festlegen. Fälle dieser Art wurden zuletzt aus Kiel und Husum bekannt. Auch hier wurde Anzeige wegen Wucher und Betruges erstattet, da die Rechnung um ein Vielfaches über dem ortsüblichen Satz lag.

Die Husumer Polizei kennt die Masche und rät, einen ortsansässigen und vertrauenswürdigen Schlüsseldienst auszuwählen und den Preis im Vorwege verbindlich abzuklären. Auch eine Zahlung vor Ort sollte abgelehnt werden. Bei Unstimmigkeiten sollte die Polizei verständigt werden.

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erstellt am 06.Apr.2017 | 16:44 Uhr

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