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Wohin mit dem Geld für die Kulturhauptstadt?

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erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

sonderburg | Nach der bitteren Niederlage im Kampf um den Titel Kulturhauptstadt 2017 im August vergangenen Jahres haben die Politiker deutlich signalisiert, dass die Arbeit nicht vergebens war und mit dem 2017-Gedanken weitergearbeitet werden soll. Der Ausschuss für Kultur und Gewerbe im Sonderburger Rat wurde beauftragt, eine Strategie auszuarbeiten, wie die jährlich dafür eingeplanten sechs Millionen Kronen am besten ausgegeben werden, damit das Geld der Kultur und nicht zuletzt auch der Wirtschaft und Arbeitsplätzen zugute kommt.

Dann wurde es lange ganz still - bis ein einiger Ausschuss Mitte April mit Kulturhauptstadt-2017-Initiator Stephan Kleinschmidt (SP) an der Spitze dem Ökonomieausschuss ein ganz neues Modell präsentierte:

Es sollte ein Entwicklungs- und Innovationsfonds gegründet werden, der nicht nur mit den vom Stadtrat bis 2016 eingeplanten 24 Millionen Kronen arbeiten soll. Geleitet werden sollte dieser Fonds von Politikern und privaten Akteuren, die ebenfalls Geld beisteuern können - gerne auch grenzüberschreitend. Wachstum und Kultur sollten Hand ind Hand gehen, um den Geist und die Seele des Kulturhauptstadt-Projekts zu bewahren.

Dieser Idee konnte der Ökonomieausschuss, - auch dort waren sich die Politiker einig - aber überhaupt nicht zustimmen.

Auf der jüngsten Stadtratssitzung geriet Stephan Kleinschmidt deshalb in ein wahres Kreuzfeuer aus dem sozialdemokratischen Lager.

Jan Prokopek Jensen, der in beiden Ausschüssen sitzt, stellte fest, dass die Etablierung eines Fonds verfrüht und die für die Verwaltung vorgesehenen 15 Prozent des Gesamtbetrags viel zu hoch seien.

Stephan Kleinschmidt wunderte sich. Erst würde man sich im Ausschuss für Kultur und Gewerbe einig, um dann anschließend vom Ökonomieausschuss auf ein Nebengleis gestellt zu werden.

"Ich habe das Gefühl, dass nicht der Fonds das Problem ist. Man hat Angst vor dem, was sich dahinter verbirgt", erklärte Kleinschmidt, der außerdem meinte, dass die 15 Prozent nicht für die Verwaltung, sondern für die Ausarbeitung einer eigentlichen Kulturstrategie genutzt werden sollen. "Das erfordert Ressourcen, die wir im Augenblick nicht haben", so der Ausschussvorsitzende der Schleswigschen Partei.

Damit gab sich Sozialdemokrat Erik Lauritzen nicht zufrieden. "Wir sind damit einverstanden, Geld für konkrete Projekte freizugeben. Der Ausschuss für Kultur- und Gewerbe soll eine Lösung ausarbeiten, wohin das Geld fließen soll. Wir dachten, dass daran gearbeitet werden soll", meinte der Politiker aus Blans.

Ole Stisen meinte, dass ein Fonds einem politischen Ausschuss unterstellt werden müsse. "Der Fonds darf nicht wie ein selbstständiges Tier irgendwo liegen. Vielleicht sollte man ein Advisery-Board gründen, wo Kulturpersonen von außen uns beraten können", meinte Stisen.

"Ist ein Fonds überhaupt nötig? Wir haben doch viele kreative Köpfe", gab Frode Sørensen zu bedenken und fand es nicht in Ordnung, Steuergelder einem Fonds zu übertragen. Wo das Geld eingesetzt werden soll, darüber sollten Politiker und nicht ein Fonds entscheiden.

Erik Lauritzen nannte dies wahrscheinlich auch einen wichtigen Grund für die Aufregung. "Wir sind uns ja alle einig, dass es glücken soll. Es ist aber einfach gar nicht so glücklich, wenn wir in der Zeitung über die Gründung eines Fonds lesen müssen", meinte Lauritzen.

Nach einer längeren Diskussion und einer Unterbrechung der Sitzung wurde beschlossen, dass insgesamt 355 000 Kronen für "Syddanske Madoplevelser", "Danmarks Gadeteaterfestival" und das internationale Holzskulpturen-Symposium freigegeben werden. Die Ausarbeitung einer eigentlichen Kulturstrategie geht nun zurück in den Ausschuss für Kultur und Gewerbe.

"Wir wollen jetzt auch weiterkommen und können Licht am Ende des Tunnels sehen. Ich freue mich auf einen künftig guten Prozess mit allen 30 Stadtratsmitgliedern", so Stephan Kleinschmidt. Er versprach, dass die Kulturstrategie bei der nächsten Sitzung im Ausschuss für Kultur und Gewerbe auf die Tageordnung kommt, damit der Stadtrat sich im Mai erneut damit befassen kann.

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