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Rückkehr nach SH : Wölfe rücken Richtung Norden vor

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Er läuft in Fotofallen, reißt Rehe und Schafe: Der Wolf hinterlässt immer mehr Spuren in Schleswig-Holstein. Der neueste Hinweis auf die Anwesenheit des stillen Jägers stammt aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Lange waren sie in Deutschland ausgestorben, in Schleswig-Holstein wurde der letzte freilebende Wolf im Jahr 1820 bei Brokenlande (Kreis Segeberg) erlegt. Jetzt erobern die strenggeschützten Raubtiere ihre Reviere zurück. Auch in Schleswig-Holstein, wo der Wolf schon in zahlreichen Landkreisen ausgemacht wurde. Durch Totfunde, DNA-Analysen und Fotofallen konnten die Tiere an sieben Standorten nachgewiesen werden, an zwei weiteren Orten hielt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf auf. Dort konnten nur Spuren oder Losungen festgestellt werden, was aber nicht als hundertprozentige Bestätigung gilt.

Der erste Wolf kehrte vor sechs Jahren nach Schleswig-Holstein zurück. Am frühen Morgen des 23. April 2007 wurde das Tier auf der B76 bei Süsel (Kreis Ostholstein) überfahren. Genetische Untersuchungen ergaben, dass es aus demselben Genpool stammt wie die Wölfe, die in Sachsen leben.

Erst fünf Jahre später, im Juni 2012, wurde der zweite Wolf im Land ausgemacht, und zwar im Kaltenkirchener Umland. Zunächst entdeckten Wolfsbetreuer seine Losung, später tappte das Tier in eine Fotofalle. Ebenfalls in eine Fotofalle geriet ein Wolf bei Bergedorf im März dieses Jahres und in der Nacht zum 2. April 2013 wurde auf der A1 in Höhe Siek (Kreis Stormarn) ein Wolf überfahren. Im Mai tauchte schließlich ein junger Wolf im Kreis Dithmarschen auf. Und durch Dänemark streifen mindestens drei Wölfe, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch Schleswig-Holstein gewandert sind.

Der jüngste Nachweis stammt aus Osterrönfeld im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dort hinterließ ein Wolf im Sommer seine Spuren. Es war Wolfsbetreuer Stefan Rathgeber, der am 1. Juli im Landschaftsschutzgebiet Wildes Moor bei Osterrönfeld auf einer Torfbank eine Wolfs-Losung entdeckte. Das Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein ließ Proben im Forschungsinstitut Senckenberg untersuchen. Jetzt steht das Ergebnis fest: Die Losung stammt tatsächlich von einem Wolf. „Aufgrund des Alters und des Verwitterungsgrades der Losung konnten zwar keine genetischen Spuren nachgewiesen werden, doch die Zusammensetzung des Kots lässt eindeutig auf einen Wolf schließen“, meint Rathgeber. Die Losung enthielt Nahrungsreste von Rehkitzen, Erd- und Feldmäusen sowie Fisch. Daneben wurden auch einige Wildschweinborsten und zwei Vogelfedern gefunden. Ob der Wolf sich länger im Gebiet aufgehalten hat oder das Wilde Moor nur durchquerte, bleibt Spekulation. „Fakt ist, dass wir keine weiteren Hinweise auf seinen Aufenthalt gefunden haben.“ Auch Risse von Nutztieren habe es im Bereich Osterrönfeld nicht gegeben.

Ganz anders in Dithmarschen, wo ein Wolf mehrere Schafe riss. Seit Wochen verhielt er sich aber ruhig, hatte keine weiteren Nutztiere getötet. Doch vor drei Tagen könnte er wieder zugeschlagen haben. Ein Landwirt aus Schlichting meldete, dass eines seiner Mutterschafe angegriffen wurde – vermutlich vom Wolf. „Das war ein brutaler Angriff, ein wirklich kräftiger Biss in die Hinterkeule“, berichtet Wolfsbetreuer Jens Matzen, der sich aber nicht sicher ist, ob es tatsächlich der Wolf war. Von der Wunde nahm er einen Abstrich, der im Senckenberg-Institut untersucht werden soll.

Der Ort des Geschehens im Schlichtinger Moor passt allerdings zum Revier des Dithmarscher Wolfes, der stets im Großraum Hennstedt nachgewiesen wurde, zunächst in Linden, später in der Eiderniederung bei Hollingstedt. Matzen meint, das Tier ist vielleicht dabei, sein Revier abzustecken. Das Nahrungsangebot an Wild dürfte dafür sprechen, dass sich der etwa 15 Monate alte Wolf in Dithmarschen auf Dauer einrichtet.


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