Grüne Woche : Zwischen Swingolf und Schweinezucht

Informierten: Prof. Dr. Thomas Krüger und Student Delir Goorab. Foto: Haensel
Informierten: Prof. Dr. Thomas Krüger und Student Delir Goorab. Foto: Haensel

Bauernhöfe planen neues Tourismus-Angebot. Hamburger Professor: Dörfer und Gemeinden sterben aus, wenn sie nicht über Tellerrand gucken.

shz.de von
29. Januar 2011, 10:38 Uhr

Berlin | Konkurrenz oder Zusammenarbeit? Um diese Frage geht es bei den Stadtplanern an der Hafencity-Universität in Hamburg, wenn sie das Überleben von Dörfern und ländlichen Gemeinden betrachten. Prof. Dr. Thomas Krüger traf gestern auf der Grünen Woche mit Studenten und Vertretern des Landwirtschaftsministeriums in Kiel, der EU und Bürgermeistern aus Schleswig-Holstein zusammen. "Die Vernetzung als Überlebensmöglichkeit für die Gemeinden birgt viel Sprengstoff", hat Student Delir Goorab auf Eiderstedt bei einem Treffen mit den dortigen Bürgermeistern beobachtet. Doch er hat eine These: "Zusammenarbeit muss das Ziel sein." Viele Jahre lang ähnelten sich die Dörfer in Schleswig-Holstein. "Das ändert sich jetzt", sagt Prof. Krüger und ist überzeugt davon, dass "die Dörfer überleben, in denen sich die Menschen engagieren, die aber nicht auf allem beharren, was das Nachbardorf auch hat."
Vernetzung ist auch im Tourismus gefragt. Statt in Konkurrenzdruck zu treten, ergänzen sich viele landwirtschaftliche Betriebe in der Arbeitsgemeinschaft "Urlaub auf dem Bauernhof". Sie hat ihre Geschäftsstelle mittlerweile in Rendsburg und bündelt die Interessen der Landwirte, die auf ihrem Hof mehr zu bieten haben als Ackerbewirtschaftung oder Schweinemast. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, berichtet die Vorsitzende Dagmar Scheel (62). Unter den 400 verzeichneten Mitgliedern gebe es Höfe mit so genanntem Vitalangebot, die Kneippkuren anböten, Strandkörbe zum Relaxen aufstellen und zeigen, woher die Eier kommen. Sie selbst betreibt mit ihrer Familie einen Ponyhof mit 40 Tieren in Steenfeld bei Hanerau-Hademarschen (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Zu ihr kommen Kinder ohne Eltern, die nach Lust und Laune reiten wollen - inklusive Vollverpflegung. A
Prospekt: "Urlaub auf dem Bauernhof"
uf Hilke Thomsens (45) Hof bei Gelting (Kreis Schleswig-Flensburg) können die Kinder Stockbrotbacken, Trecker fahren und ein wenig Reiten. Die Landwirtin, eigentlich mit ihrem Mann auf Ackerbewirtschaftung spezialisiert, vermietet fünf Ferienwohnungen mit insgesamt 25 Betten. "Wir sind alle Unternehmerinnen, wir haben alle dasselbe Ziel", sagt die designierte neue Vorsitzende von "Urlaub auf dem Bauernhof". Dabei dürfe sich aber niemand ausruhen. Achim Neelsen bietet deshalb auf seinem Hof Möllhagen in Schülp bei Nortorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) seit Kurzem Swingolf an. "Das ist wie richtiges Golf, aber mit einem größeren Schläger, nur einem Loch und ohne Platzreife", erklärt Neelsen.
Einen Überblick über alle Angebote in Schleswig-Holstein bietet der Prospekt "Urlaub auf dem Bauernhof", der jährlich erscheint. Auch im Internet ist die Gemeinschaft vertreten und plant eine Erweiterung. Der Gast soll nicht nur seine Übernachtungen buchen können, sondern auch Tickets für Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen drum herum. Einen Termin, ab wann das neue Angebot verfügbar sein soll, gebe es aber noch nicht, sagt Hilke Thomsen.

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