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Kommentar zum Fachkräftemangel : Zu viele Stellschrauben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für den Kampf gegen Fachkräftemangel setzt das Land auf eine Fülle von Maßnahmen, deren Erfolg abzuwarten bleibt. Ein Kommentar von Till H. Lorenz.

Der Fachkräftemangel droht längst nicht mehr – er ist schon da. Unternehmen haben Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden und suchen händeringend nach geeigneten Mitarbeitern. Es klemmt an allen Ecken und Enden. Große Unternehmen mit großen Namen und großen Personalabteilungen mögen noch Mittel und Wege finden, neue Mitarbeiter anzuwerben. Kleineren und mittleren Betrieben, die zudem meist abseits der großen Metropolen ansässig sind, fällt dies weitaus schwerer. Sie haben das Nachsehen. Dass sich die Fachkräfte-Initiative „Zukunft im Norden“ mit ihren Maßnahmen daher vor allem dem Mittelstand in Schleswig-Holstein verschreibt, ist zunächst einmal zu begrüßen. Ob der Maßnahmen-Katalog am Ende etwas bewirkt, bleibt abzuwarten.

Denn das Heben von bislang noch ungenutzten Potenzialen am Arbeitsmarkt ist eine Sache – die Qualifizierung für den Einsatz in einer in weiten Teilen hochspezialisierten Wirtschaft eine andere. Menschen mit Handicap besser zu integrieren, ist so zwar löblich und wichtig. Eine Antwort auf das Fehlen hochqualifizierter Fachkräfte wird daraus aber erst, wenn zur Integration auch Schulung und Weiterbildung hinzukommen. Eine höhere Erwerbsquote von Frauen wiederum trägt nur maßgeblich zur Lösung des Fachkräftemangels bei, wenn die entsprechenden Studiengänge und Ausbildungsberufe für Frauen attraktiver werden.

Und auch stärkere Migration ist nicht ohne weiteres ein Heilmittel. Schließlich kann sie im besten Falle nur einen kleinen Teil der Fachkräfte-Lücke schließen. Zudem ist jede Willkommenskultur hinfällig, wenn es wirtschaftlich nicht attraktiv ist, für Arbeit hierher zu kommen. Denn dass sich mit niedrigen Löhnen und oftmals schlechten Arbeitsbedingungen im Ausland nicht für einen Job in der Gastronomie oder Pflege werben lässt, liegt auf der Hand. Die Stellschrauben, an denen in den kommenden Jahren gedreht werden muss, sind somit zahlreich. Ob es der Initiative gelingt, bei allen gleichermaßen anzusetzen, bleibt abzuwarten.

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erstellt am 23.Okt.2013 | 06:52 Uhr

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