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Zugausfälle : Zu spät bei der Arbeit: Streik taugt nicht als Ausrede

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Pendler dürfen den Bahn-Streik nicht als Ausrede fürs Zuspätkommen nutzen. Denn der Arbeitnehmer trägt allein das sogenannte „Wegerisiko“.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 16:17 Uhr

Hamburg | Die Lokführergewerkschaft GDL hat angekündigt, den Bahnverkehr am Samstag erneut mit einem Warnstreik durcheinander zu wirbeln. Die Arbeitsniederlegungen der Lokführer hatte am Montag bereits bundesweit zu Zugausfällen und Verspätungen geführt. Zigtausende Pendler waren davon betroffen: Insgesamt standen 90 Prozent aller Güter- und Personenzüge still .

Doch wie sieht es bei weiteren Warnstreiks mit der Pflicht des Arbeitnehmers aus, trotzdem pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen? „Aus rechtlicher Sicht ist die Sache eindeutig: Unterschreibt der Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag, dann verpflichtet er sich, seinem Arbeitgeber gegen Gehalt eine Arbeitsleistung zu erbringen”, erklärt Michaela Zientek, Juristin der D.A.S. Rechtsschutzversicherung. Dazu gehört auch, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen.

Der Arbeitnehmer trägt dabei das sogenannte „Wegerisiko“. Es gilt auch bei einem Streik im öffentlichen Nahverkehr. Unter diesem Begriff versteht das Bundesarbeitsgericht das Risiko, beispielsweise wegen absehbarer Verkehrsbehinderungen wie Schnee, Glatteis oder umgefallener Bäume nicht rechtzeitig am Arbeitsplatz erscheinen zu können. „Bei Verspätungen infolge voraussehbarer Wetterprobleme oder auch Streiks muss der verhinderte Arbeitnehmer mit einer Lohnkürzung rechnen oder alternativ die fehlenden Arbeitsstunden nacharbeiten”, erläutert Zientek. Es gilt der Grundsatz: Ohne Arbeit kein Lohn. Der Arbeitnehmer kann sich nicht auf höhere Gewalt berufen. Doch es besteht nach Verständigung mit dem Chef auch die Möglichkeit einer Verrechnung durch die flexible Arbeitszeit, ebenso wie die Möglichkeit, einen Tag Urlaub am Streiktag zu nehmen.

Weil Behinderungen meistens absehbar und Streiks oft angekündigt sind, sollten sich Arbeitnehmer rechtzeitig um alternative Routen oder Verkehrsmittel, aber auch um einen früheren Start in den Arbeitstag bemühen. Ansonsten gilt: So früh wie möglich den Chef informieren, dass es eventuell später wird.

Ob und wie der Angestellte die verpassten Arbeitsstunden nachholt, sollte er ebenfalls mit seinem Vorgesetzten besprechen. Im Rahmen von Gleitzeit ist das meist recht einfach. Handelt es sich um Schichtdienst oder Teilzeit, sollten alle Beteiligten eine gemeinsame Lösung suchen. Wichtig: In manchen Betrieben regeln Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen, was bei Verspätungen gilt!

Eine Abmahnung kann höchstens die treffen, die ihren Arbeitgeber überhaupt nicht über die Verspätung informieren oder wegen des Streiks nicht zur Arbeit erscheinen. Bei einmaliger streikbedingter Verspätung reagiert kaum ein Arbeitgeber so hart, es sei denn es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

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