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Hospize, Kultur, Bildung, Tierschutz : Zinstief – Stiftungen in SH geht das Geld aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jede fünfte wohltätige Einrichtung in Schleswig-Holstein steht vor dem Aus – und damit gerät das Gemeinwohl in Gefahr.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2016 | 18:04 Uhr

Kiel | Mal sind es 3000 Euro für das Hospiz, mal 50.000 Euro zur Verringerung des Katzenelends im Norden – die rund 800 Stiftungen in Schleswig-Holstein tun viel Gutes. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Weil die gestifteten Vermögen wegen der Minizinsen nur noch Mini-Renditen abwerfen, kommen besonders die kleinen Stiftungen immer mehr in Bedrängnis. „Mit einem Stiftungsvermögen von 100.000 Euro und einer einprozentigen Nettoverzinsung kann man nach Abzug der Verwaltungskosten kaum den Förderzweck erfüllen“, erklärt Bernd Hannemann, Vorstand des Schleswig-Holsteinischen Stiftungstages. Wenn es hart auf hart komme, führe das über kurz oder lang zu einem Vermögensverzehr.

Stiftungen setzen häufig an Stellen an, an denen es sich schlecht wirtschaftlich arbeiten lässt und wo sonst eine gesellschaftliche Lücke bestünde. Das betrifft sowohl soziale Randbereiche wie Armut und Krankheit, aber auch kulturelle Einrichtungen.

Deshalb gehen deutsche Stiftungen inzwischen sogar höhere Risiken eine. Jede fünfte hat Immobilien oder Aktien gekauft – Geschäfte, bei denen man Geld verlieren kann. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC vorgelegt hat. 58 Prozent der Befragten erwarten demnach ein Stiftungssterben. Auf sinkende Einnahmen stellen sich fast alle ein. Vier von fünf Befragten erwarten, dass sich ihre Fördermöglichkeiten einschränken werden. „Keine Frage: Die Stiftungslandschaft in Deutschland wird sich merklich verändern. Dazu gehört auch, dass Stiftungen abgewickelt werden“, heißt es in der Studie.

Davon geht auch Hannemann aus, der die Entwicklung „mit großer Sorge betrachtet“ . 55 Millionen Euro haben die Stiftungen im Land 2015 ausgeschüttet – etwa für die Pflege des Plattdeutschen, für behinderte Kinder, für Musikinstrumente oder den Klimawald der Landjugend. Ob diese Höhe künftig gehalten werden kann, ist fraglich. Ein „beachtlicher Anteil“ von etwa 20 Prozent der Stiftungen im Norden sei aus heutiger Sicht zu klein. Das „Überlebensminimum“ sieht Hannemann bei 500.000 Euro Stiftungsvermögen, „besser bei einer Millionen“. Erst dann lohne sich der Einsatz von Vermögensmanagern, die durch Beimischung von Aktien und Immobilienfonds den Zinsertrag steigern können ohne die konservativen Anlagegrundsätze über Bord zu werfen.

Ein Ende des Zinstals ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Derzeit laufen viele Papiere aus, die noch zu Hochzinszeiten gekauft wurden. „Hilfreich ist es, andere Einnahmequellen auszubauen, zum Beispiel mehr Spenden zu gewinnen“, rät Hans Fleisch vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Auch in Schleswig-Holstein beschreitet man diesen Weg. „Wir haben etliche hochmotivierte Stifter, die durch Fundraising das Stiftungsvermögen sogar noch erhöhen“, so Hannemann. Und von einer der größten Stiftungen im Norden – der Sparkassenstiftung – kommt die gute Nachricht, das sie aufgrund der langfristig ausgerichteten Anlagestrategie weiter viele Projekte in bekanntem Umfang fördern kann.

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