Regenerative Energien : Wolken am Himmel der Solar-Branche

Von Januar bis November 2010 wurden nach Informationen der Bundesnetzagentur 6227 neue Photovoltaik-Anlagen in Schleswig-Holstein installiert. Foto: grafikfoto.de
Von Januar bis November 2010 wurden nach Informationen der Bundesnetzagentur 6227 neue Photovoltaik-Anlagen in Schleswig-Holstein installiert. Foto: grafikfoto.de

Die deutschen Solarbauer bekommen starke Konkurrenz aus Asien und den USA. Die Firmen in Schleswig-Holstein sehen die Lage dennoch optimistisch.

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22. Februar 2011, 10:54 Uhr

Kiel | Die Solarindustrie in Deutschland galt viele Jahre als weltweiter Marktführer. Jetzt steht sie Branchenexperten zufolge jedoch an einem Scheideweg. Die Gründe: Die internationale Konkurrenz wird immer stärker. Und: Es stehen weitere Kürzungen bei der Einspeisevergütung für Solarstrom an. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) hat auf die aktuelle Lage Ende letzten Jahres mit einer "PV-Roadmap 2020" reagiert. Dahinter verbirgt sich eine Art Masterplan, wie die deutsche Branche weiter im Wettbewerb bestehen kann und Photovoltaik in Zukunft eine tragende Rolle in der Energieversorgung bekommt. Aber wie sehen schleswig-holsteinische Firmen die Marktentwicklung?
"Die jüngsten Branchenmeldungen lassen vermuten, dass sich 2011 in sehr unterschiedliche Halbjahre teilen lassen wird. Die verbleibenden vier Monate des ersten Halbjahres werden voraussichtlich wieder von einer explodierenden Nachfrage geprägt sein, ausgelöst durch Vorzugseffekte angesichts der bevorstehenden Absenkung der Einspeisevergütung. Aufgrund von deutlichen Preisanpassungen zum Jahreswechsel sind Photovoltaik-Anlagen im ersten Halbjahr 2011 genauso attraktiv wie Ende 2010", sagt Kai Lippert, Chef der Handewitter Firma EWS. Das 1985 gegründete Unternehmen ist Fachgroßhandel und Planungsbüro für Photovoltaik, Solarthermie und Holzpelletheizungen. Wie sich die zweite Jahreshälfte seiner Meinung nach entwickelt? "Es muss auf den aktuellen Boom nicht unbedingt ein Einbruch folgen - vorausgesetzt, die Branche schafft auch für die zweite Jahreshälfte rechtzeitig Planungssicherheit für die Kunden", sagt Lippert. Er geht davon aus, dass die Anlagenpreise nach dem 1. Juli erneut fallen werden. Die extrem schnelle und starke Absenkung der Vergütungssätze sei eine große Herausforderung für alle Marktteilnehmer, gibt Lippert zu. Allerdings habe die Branche bereits Erfahrungen mit starken Preissenkungen.
Schafft es die Photovoltaik-Branche in den Massenmarkt?
Die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PWC) kommt in ihrer im Herbst vergangenen Jahres veröffentlichten Studie mit dem Titel "Die deutsche Photovoltaik-Branche am Scheideweg" zu dem Schluss, dass die von ihr befragten Firmen der deutschen Photovoltaik-Branche die Zukunft überwiegend "optimistisch" beurteilen. PWC hält es durchaus für möglich, dass der deutschen Photovoltaik-Branche der Einstieg in den Massenmarkt gelingen kann. Die Unternehmensberatung schließt aber nicht aus, dass es auch zu einer "Stagnation führen oder angesichts bestehender Überkapazitäten sogar zu einem zumindest kurz- bis mittelfristigen Einbruch des Photovoltaik-Marktes" kommen könnte, wenn es der Branche nicht gelingt, "ihre Kostenstrukturen im notwendigen Ausmaß und in relativ kurzen Zeitabständen weiter anzupassen." Das gelte ganz besonders für Hersteller, die sich mit steigender internationaler Konkurrenz auseinandersetzen müssten.

Firmen im Norden erweitern regelmäßig Geschäftsfeld

Hersteller sind in Schleswig-Holstein allerdings kaum zu finden. Die Branche im hohen Norden ist vor allem durch Händler, spezialisierte Handwerksunternehmen sowie Projektentwickler und Generalunternehmer gekennzeichnet. Und Letztere genießen laut PWC "international eine sehr hohe Reputation".Dazu gehört auch die Sonnen- & Alternativtechnik GmbH & Co. KG (S.A.T.), die 1996 als klassischer Heizungs- und Sanitärbetrieb in Bredstedt gegründet wurde und heute mit rund 160 Mitarbeitern ihren Hauptsitz in Struckum (ebenfalls Kreis Nordfriesland) hat. Der Schwerpunkt von S.A.T. liegt seit der Gründung auf regenerativen Energien, von der Projektplanung über Montage bis hin zur Wartung. "Wir halten die Absenkung der Einspeisevergütung für den richtigen Schritt. Der Markt wird das verkraften - trotzdem setzen wir darauf, dass uns die Politik mit flankierenden Maßnahmen unterstützt", sagt Björn Jacobsen, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens. Neben weiteren Niederlassungen in Deutschland hat S.A.T. eine in Kanada und eine in Großbritannien. In den USA soll in Kürze eine eröffnet werden. Mit den Auslandsniederlassungen will der Betrieb sein Geschäftsfeld ausdehnen, Nordfriesland aber trotzdem weiterhin die Treue halten.
S.A.T. ist ein Beispiel dafür, wie sehr die Branche in Schleswig-Holstein in Bewegung ist - sowohl was neue Märkte als auch neue Angebote angeht. Diese Beobachtung macht auch Kira Sönksen, die Projektleiterin der Messe New Energy, die vom 17. bis 20. März wieder in Husum stattfindet (weitere Infos www.new-energy.de). "Die Messe New Energy wird gerade auch für Firmen aus Schleswig-Holstein und aus aller Welt immer mehr zur Drehscheibe, um Kooperationen mit anderen Firmen aus der Branche herzustellen oder auch Beziehungen zu benachbarten Wirtschaftszweigen aufzubauen", sagt Sönksen.
Messe "New Energy" als Drehscheibe
Ein Beispiel? "Vor einigen Jahren haben beispielsweise Heizungs- und Sanitärfirmen angefangen, auch Solarthermie-Anlagen zu installieren, später sind dann auch Photovoltaik-Anlagen dazu gekommen. Und aktuell erleben wir gerade wieder, dass die vor allem kleinen und mittelständischen Betriebe sich diversifizieren", erklärt Sönksen. "Das heißt nicht, dass alle alles anbieten. Aber es gibt beispielsweise Betriebe, die auf Photovoltaik-Anlagen spezialisiert sind und jetzt zusätzlich mit Elektroautos handeln. Die Solarbranche hat sich mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor kurzem auf eine Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom bis Juli um bis zu 15 Prozent und bis Januar 2012 um maximal 24 Prozent geeinigt. Das genaue Ausmaß wird Ende Mai bekannt gegeben.

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