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Nachfrage nach Wohnraum : Wohnungsmarkt im Land gespalten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Flensburg, Kiel und dem Hamburger Umland drohen Mieterhöhungen – in Lübeck, Neumünster und an der Unterelbe Leerstände.

Kiel | Schleswig-Holstein ist neben den beiden wohlhabenden süddeutschen Ländern Bayern und Baden-Württemberg das einzige deutsche Flächenland, in dem die Nachfrage nach Wohnraum in den kommenden beiden Jahrzehnten in jedem Fall noch steigen wird. Das geht aus einer Studie hervor, die das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gestern in Berlin veröffentlicht hat.

Demnach wächst die Nachfrage im Land um 1,6 Prozent – trotz voraussichtlich leichtem Bevölkerungsrückgang um 0,9 Prozent. Besonders stark steigt der Bedarf in Flensburg und im Hamburger Speckgürtel. Hier drohen die Mieten daher künftig deutlich teurer zu werden. In Flensburg boomt der Immobilienmarkt dabei sogar noch etwas stärker als in Hamburg. „Die Einwohnerzahl in Flensburg nimmt bis 2030 relativ stark zu“, begründete Studienautor Ralph Henger gegenüber unserer Zeitung den Nachfrage-Anstieg im hohen Norden. Und das Hamburger Umland sei wegen seiner Nähe zur Millionenmetropole attraktiv.

Ganz anders sieht es dagegen an der schleswig-holsteinischen Unterelbe aus: Vorausgesetzt, der Bevölkerungsdurchschnitt will künftig nicht in wesentlich größeren Wohnungen als jetzt leben, wird die Nachfrage nach Wohnflächen in Steinburg und Dithmarschen zurückgehen. Und auch Lübeck und Neumünster müssen sich auf leer stehende Häuser einstellen.

Damit entwickeln sich die beiden kreisfreien Städte gegen den bundesweiten Trend – denn generell steigt in den Städten der Bedarf und sinkt auf dem Land. „Die Urbanisierung Deutschlands nimmt zu“, erklärte IW-Forscher Henger. Senioren ziehe es in die Städte, weil sie dort Einkaufsgelegenheiten, Ärzte und Kulturangebote vorfinden. „Und junge Leute bevorzugen die Metropolen wegen der geringeren Mobilitätskosten, der besseren Ausbildungsmöglichkeiten und der vielfältigen Jobchancen.“

Allerdings gibt es nicht nur im Norden, sondern auch im Osten und in Nordrhein-Westfalen Ausnahmen von dieser Tendenz. So drohen in Schwerin, Halle, Dortmund oder Essen ebenfalls deutliche Rückgänge bei der Immobilennachfrage. „Dort wird der Leerstand zu einem immer größeren Problem“, warnte Henger. Die höchsten Wachstumsraten und Mieten stehen dagegen dem Münchener Umland bevor.

Bei ihrer Studie haben die Experten des arbeitgebernahen IW die Prognosen über die Entwicklung der Bevölkerung und der Altersstruktur in den Regionen zugrunde gelegt. Mit steigender Einwohnerzahl wächst die vorhergesagte Wohnraumnachfrage ebenso wie mit steigendem Alter – da sich ältere Menschen tendenziell mehr leisten können.

Außerdem hat das IW nicht nur untersucht, wie sich die Nachfrage nach Immobilien entwickelt, wenn die Deutschen im Durchschnitt auch künftig in etwa gleich großen Wohnungen wie heute leben wollen. Vielmehr haben sie in einem zweiten Szenario unterstellt, dass die Pro-Kopf-Nachfrage nach Wohnraum in den nächsten Jahrzehnten noch immer ein wenig weiter ansteigt. Flensburg würde dann im Jahr 2030 nicht nur sieben Prozent mehr Wohnfläche brauchen, sondern gut fünfundzwanzig. Und selbst in Neumünster wäre dann ein Zubau von fast dreizehn Prozent nötig.

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erstellt am 06.Sep.2013 | 06:59 Uhr

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