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Kampf um bezahlbaren Wohnraum : Wohnungen in SH: Gemeinden suchen dringend Unterkünfte für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Billige Wohnungen sind Mangelware. Nicht nur Asylbewerber konkurrieren um den knappen Wohnraum.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Kiel | In den Städten und Gemeinden des Landes ist der Kampf um bezahlbaren Wohnraum voll entbrannt. Nicht nur Hartz-IV-Empfänger, Wohnungslose und Menschen mit kleiner Rente konkurrieren um den knappen Wohnraum – sondern auch die Flüchtlinge. Deren Unterbringung stellt die Kommunen inzwischen vor eine Zerreißprobe. Von Januar bis Ende September wurden in Schleswig-Holstein bereits 14.000 Asylbewerber nach ihrer Registrierung in den Erstaufnahmelagern auf die Städte und Gemeinden verteilt. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Beispiel Flensburg: Die Stadt muss bis zum Jahresende 1150 Flüchtlinge unterbringen. „Inzwischen nehmen die ersten Kommunen im Norden sogar ihr notariell abgesichertes Vorkaufsrecht wahr, um sich Immobilien auf dem freien Markt zu sichern“, berichtet Björn Petersen vom Immobilienverband IVD Nord in Kiel. Darauf hätten alle bisher verzichtet. Nun kaufen Bürgermeister Doppelhäuser oder große Wohnungen, weil sie Platz für Flüchtlingsfamilien brauchen.

Der Mieterbund Schleswig-Holstein berichtet zudem vom ersten Fall einer Kündigung wegen besserer „wirtschaftlicher Verwertungsmöglichkeit“. Offenbar kann der Vermieter mit der Unterbringung von Flüchtlingen mehr Geld verdienen.

Während Mieterbund-Chef Carsten Wendt davon ausgeht, dass sich die Situation „noch deutlich verschärft“, glaubt Petersen nicht an einen Mietanstieg wegen der Asylbewerber – wenn überhaupt, dann nur im untersten Preissegment. „Derzeit werden Objekte, die bislang nicht vermietbar waren, aufgefüllt“. Auch Wohnungsgesellschaften würden weniger attraktive Wohnungen los und bauen ihre Leerstände ab.

Haus&Grund-Chef Alexander Blažek sieht darin eine Gefahr. „Das führt zu Ghettobildung, wenn wir die Flüchtlinge wegen niedriger Mietpreise in problembelasteten Stadtteilen unterbringen.“

Wie hoch der Bedarf an günstigen Wohnungen schon jetzt ist, zeigen die am Montag veröffentlichten Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Danach sind bundesweit 335.000 Menschen ohne Wohnung, ein Plus von 18 Prozent gegenüber 2012 und ein neuer Höchststand. Die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, stieg sogar um 50 Prozent auf jetzt 39.000. Der Verband prophezeit „Verteilungskämpfe“, fordert den Bau von 500.000 preiswerten Sozialwohnungen und notfalls Immobilienbeschlagnahmen, um Obdachlose vor dem Erfrierungstod zu schützen.

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