Kieler Institut : Wirtschafts-Boom: IfW warnt vor Überhitzung

Schweißen will gelernt sein: Die Metallbranche im Norden schlägt Alarm.
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Je stärker es bergauf geht, desto härter kann die Landung werden, mahnt das Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich in Bestform: Das Institut für Weltwirtschaft hat die Prognose noch einmal angehoben.

shz.de von
14. Dezember 2017, 13:29 Uhr

Kiel | Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat angesichts einer weiter anziehenden Konjunktur vor Rückschlägen für die deutsche Wirtschaft gewarnt. Die Kieler Ökonomen rechnen im kommenden Jahr nunmehr mit 2,5 Prozent Wachstum und korrigierten am Donnerstag ihre Prognose um 0,3 Punkte nach oben. „Damit steigen auch die Risiken eines Konjunkturumschwungs“, heißt es in der Mitteilung des Instituts. „Die deutsche Wirtschaft fährt unter Volldampf“, sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths.

Das Kieler Institut hatte mehrfach vor den Gefahren einer Überhitzung der Konjunktur gewarnt. „Ein Boom mag sich gut anfühlen, er trägt aber den Keim der Krise in sich“, sagte Kooths. „Je weiter die ökonomische Aktivität über das Normalmaß hinaus zulegt, desto größer werden die Risiken für eine Anpassungsrezession.“ Dann würden Geschäftsmodelle korrigiert, die nur im Boom funktionierten.

Deutschlands Aufschwung sei breit aufgestellt, heißt es in der Analyse. Neben dem Exportgeschäft liefere auch die Binnenwirtschaft kräftige Impulse. „Die privaten Haushalte bleiben dank der ausgezeichneten Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven in Konsumlaune“, schreiben die Kieler Forscher. Die Käufe von Konsumgütern legten im ersten Halbjahr so stark zu wie seit 15 Jahren nicht mehr und werden auch in den kommenden Jahren um knapp zwei Prozent wachsen.

Für die Unternehmen werde es jedoch zunehmend schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. „Die Anzahl der Betriebe, die dadurch ihre Produktion beeinträchtigt sehen, ist auf ein Rekordniveau gestiegen“, heißt es in dem Bericht. Auf der Gewinnerseite finden sich die Arbeitnehmer, deren Effektivlöhne um drei Prozent steigen dürften. „Wegen zunehmender Knappheiten sitzen immer mehr Beschäftigte bei Lohnverhandlungen am längeren Hebel und können sich so über merkliche Kaufkraftzuwächse freuen“, sagte Kooths.

Beim Staat kommen wegen der guten Konjunktur steigende Einnahmen aus Steuern und Abgaben an, allein in diesem Jahr rund 45 Milliarden Euro Überschuss. Die nächste Bundesregierung sollte jedoch nicht dazu beitragen, die Konjunktur weiter zu befeuern, mahnte das IfW: „Ein expansives Finanzgebaren des Staates läuft in Zeiten der Überauslastung dem makroökonomischen Stabilitätsziel zuwider.“

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