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Baustellen in Schleswig-Holstein : Wirtschaft zittert vor dem A7-Ausbau

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Erinnerung an die Teilsperrung der Rader Hochbrücke ist noch frisch: Der Ausbau der A7 könnte die Infrastruktur in SH lahmlegen. Wirtschaftsexperten befürchten Millionenverluste.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 19:12 Uhr

Kiel | Einbrechende Touristenzahlen, Millionenverluste für Spediteure und Probleme bei der Postzustellung – Mitte des Jahres soll der sechsspurige Ausbau der Autobahn 7 beginnen, die Sorgen der Wirtschaft in Schleswig-Holstein, regelrecht abgehängt zu werden, sind gewaltig. „Vom Prinzip her ist das nichts anderes als eine Verlängerung der Sanierung der Rader Hochbrücke“, sagt Thomas Rackow vom Logistikverband Schleswig-Holstein (VGL). Verluste in Höhe von Hunderten Millionen Euro sieht der Verbandschef auf die Spediteure zukommen. Allein in den vier Monaten der Hochbrücken-Sperrung seien es schon 42 Millionen Euro gewesen – und bis heute ist die Hochbrücke für Schwerlasttransporte gesperrt. Die Zukunft ist bislang unklar. Am Montag will sich Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) zur Brücke sowie auch dem Stand der Ausbauplanungen äußern.

Krisenstimmung auch in der Tourismusbranche. „Unsere Destinationen sind alle schwer zu erreichen“, fasst Catrin Homp vom Tourismusverband Schleswig-Holstein die Verkehrssituation zusammen – und die Bauarbeiten auf der A7 könnten das nochmals verschärfen. „Es besteht die Gefahr, dass die Urlauber sich das nicht antun“, so Homp. Beim Omnibusverband Nord fürchtet Geschäftsführer Joachim Schack Umsatzeinbrüche von 20 bis 40 Prozent.

Schnell könnten Schleswig-Holsteiner überall im Land dies zu spüren bekommen – selbst, wenn sie weitab der A7 wohnen und diese in den kommenden Jahren meiden wollen. „Da alle Briefe und Pakete in Schleswig-Holstein auf der Straße und nicht mit der Eisenbahn transportiert werden, müssen wir mit Beeinträchtigungen unserer Logistik durch die Bauarbeiten an der A7 rechnen“, räumt ein Sprecher der Deutschen Post in Hamburg ein.

Dass der Ausbau wichtig ist, bezweifelt niemand. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagt Sebastian Schulze vom Unternehmensverband Nord (UVNord). Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Überdeckelung der A7 in Hamburg und der gleichzeitige Ausbau der Autobahn einer Operation am offenen Herzen gleiche. Ebenso warnt UVNord-Präsident Uli Wachholtz vor den „schweren Beeinträchtigungen“ und ihren Folgen. „Schon heute haben wir Unternehmen, die nur noch südlich der Elbe investieren wollen, weil Lieferverpflichtungen wegen der Dauerstaus vor dem Elbtunnel nicht mehr haltbar sind.“

Diese Unternehmen handhaben es dann wie Siemens. Der Industriekonzern, dessen Windkraftanlagen in Dänemark gefertigt werden, setzt künftig auf den Seeweg – und macht einen großen Bogen um das Land zwischen den Meeren.  

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