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IHK-Jahresempfang in Kiel : Wirtschaft warnt vor zu vielen Akademikern

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Schleswig-Holstein braucht nicht nur Akademiker. Der Präsident der IHK Kiel warnt – der Trend zu höheren Abschlüssen könnte nach hinten losgehen. Die Politik sucht den Dialog, um den Standort SH zu stärken.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2014 | 19:26 Uhr

Kiel | Für die Zukunft Schleswig-Holsteins setzt Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) auf eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Er suche den Schulterschluss, sagte Albig am Montag im Kieler Schloss vor rund 1300 Gästen beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Kiel. Nur mit der Wirtschaft lasse sich der Standort Schleswig-Holstein stärken. „Wir suchen und wir brauchen das Gespräch mit Ihnen“, versicherte der Ministerpräsident. Die Stärken liegen laut Albig unter anderem in der Medizintechnik und der IT-Technik. Innovationen wolle die Landesregierung weiter ausbauen. Die Themen Bildung, Forschung, lebenslanges Lernen und Wissen seien dabei zentrale Grundlagen.

Der Jahresempfang stand unter dem Motto „Lernen lernen“. IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater betonte die Bedeutung einer qualifizierten Ausbildung angesichts des drohenden Fachkräftemangels. Zugleich warnte Vater aber vor einer einseitigen Akademisierung der Berufswelt als Königsweg für mehr Qualifikation und Beschäftigung.

Nicht die höchstmögliche Qualifikation, sondern die richtige Qualifikation sei entscheidend. „Insofern sollten wir aufpassen, dass der Trend zu höheren Schulabschlüssen und Studium - auch liebevoll als Akademisierungswahn bezeichnet - nicht nach hinten losgeht“, sagte Vater. So wichtig Hochschulen und ihre Absolventen für Schleswig-Holstein seien, „wir sollten dennoch nicht übersehen, dass unser Arbeitsmarkt zu 70 Prozent von mittleren Qualifikationen geprägt ist“, sagte Vater. Der IHK-Fachkräfte-Studie zufolge fehlten 2030 bis zu 90.000 Fachkräfte - „davon allerdings nur knapp 12.000 Akademiker“. Vater forderte zudem unter anderem eine deutlich verbesserte frühkindliche Bildung und Ganztagsschulen ab der ersten Klasse.

Massive Kritik an der unzureichenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf übte der Reeder Peter Krämer. „Jedes einzelne Kind bei uns sollte einen kostenlosen Kita-Platz bekommen“, sagte Krämer in seiner Festrede und fügte hinzu: „Herdprämien oder ähnlicher aus dem Süden Deutschlands kommender Blödsinn helfen unserer Gesellschaft nicht.“ 

Als größte Risikofelder für eine positive Wirtschaftsentwicklung bezeichnete Vater neben dem Fachkräftemangel die Themen Energiewende und Industriestandort, „rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik“ sowie den Dauerbrenner Verkehrsinfrastruktur.

„Die Infrastruktur in Deutschland und im Vergleich besonders im Norden ist seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert“, sagte der Kammer-Präsident. Der daraus resultierende Substanzverlust sei inzwischen für jeden erkennbar. Die Wettbewerbsnachteile in Schleswig-Holstein seien Folge einer verfehlten Verkehrspolitik der vergangenen Jahrzehnte. Albig sagte: „Ich bin sehr bei Ihnen, was das Thema Infrastruktur angeht.“ Gleichzeitig ließen sich Fehler von damals nicht von heute auf morgen beheben. Die fünf Milliarden Euro mehr für Verkehrswege im Koalitionsvertrag von CDU und SPD zu erkämpfen sei nicht einfach gewesen, sagte Albig. Auch wenn er wisse, dass man eigentlich sieben Milliarden Euro im Jahr bräuchte und nicht fünf Milliarden Euro für in vier Jahren.

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