„Diagnose Mittelstand 2014“ : Wirtschaft in SH investiert immer weniger

Unternehmen in Schleswig-Holstein haben vergangenes Jahr zwar drei Mal mehr Mittel bei den Sparkassen abgerufen als noch im Vorjahr, immer öfter wurde das Geld den Sparkassen-Beratern zufolge jedoch bloß in Erhalt (50 Prozent) oder Rationalisierungsmaßnahmen (18,8 Prozent) gesteckt.  
Unternehmen in Schleswig-Holstein haben vergangenes Jahr zwar drei Mal mehr Mittel bei den Sparkassen abgerufen als noch im Vorjahr, immer öfter wurde das Geld den Sparkassen-Beratern zufolge jedoch bloß in Erhalt (50 Prozent) oder Rationalisierungsmaßnahmen (18,8 Prozent) gesteckt.  

Laut einer Sparkassen-Studie bereiten sich Firmen zu wenig auf die Zukunft vor - dabei steht SH im Vergleich noch gut da.

shz.de von
14. Januar 2015, 06:26 Uhr

Kiel | Trotz niedriger Zinsen und gut gefüllter Kassen: Schleswig-Holsteins Unternehmen bereiten sich offenbar zu wenig auf die Zukunft vor. Das zeigen aktuelle Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Demnach haben die Unternehmen im Land vergangenes Jahr zwar drei Mal mehr Mittel bei den Sparkassen abgerufen als noch im Vorjahr, immer öfter wurde das Geld den Sparkassen-Beratern zufolge jedoch bloß in Erhalt (50 Prozent) oder Rationalisierungsmaßnahmen (18,8 Prozent) gesteckt.  

Nicht einmal mehr ein Drittel (31,3 Prozent) kam dem wichtigen Ausbau oder der Erweiterung von Unternehmen zu Gute. Allein gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von fast 17 Prozent. Verbandspräsident Georg Fahrenschon warnte angesichts der Zahlen aus der „Diagnose Mittelstand 2014“ am Dienstag in Berlin: „Wer heute nicht investiert, läuft morgen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.“

Der Unternehmensverband Nord (UVNord) sah sich angesichts der Sparkassen-Studie bestätigt. Zuletzt hatte der Verband wiederholt auf die Probleme bei den Investitionen der Unternehmen hingewiesen. „Es gab Unsicherheiten aufgrund der Verkehrssituation im Norden“, sagte UVNord-Geschäftsführer Sebastian Schulze. Eine oft nicht mittelstandsfreundliche Politik im Bund und im Land habe ihren Teil zur Entwicklung beigetragen.

Dabei steht Schleswig-Holstein im Vergleich noch gut da. Auf Bundesebene investiert nicht einmal mehr jedes fünfte Unternehmen (19,7 Prozent) in die Expansion – der niedrigste Wert seit 2010. Dessen ungeachtet hat sich den Sparkassen-Experten zufolge die Situation für mehr als die Hälfte der Unternehmen im Norden – die Kunden der Sparkassen sind – im vergangenen Jahr gebessert. Bundesweit galt dies nur für 16 Prozent. Zwei Drittel (66,7 Prozent) der Betriebe zwischen Nord- und Ostsee verfügen heute zudem über mehr Eigenkapital als vor einem Jahr. Und immerhin gut 22 Prozent erwarten, dass dieses Jahr neue Arbeitsplätze entstehen. Bundesweit teilen nur 12,3 Prozent der Betriebe diesen Optimismus.

Dass die Ergebnisse im Norden teils deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen, könnte sich laut dem DSGV-Experten Alexander von Schmettow unter anderem durch die Wirtschaftsstruktur erklären. In anderen westdeutschen Regionen sei der Mittelstand oftmals „stärker geopolitisch beeinflusst“. Krisenherde wie der Nahe Osten oder die Ukraine spielten dort eine größere Rolle. Für die Studie hat der DSGV nach eigenen Angaben neben der Einschätzung von Sparkassen-Experten auch rund 250.000 Unternehmensbilanzen mit berücksichtigt.

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