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Unternehmensverbände : Wirtschaft in SH gibt Albig schlechte Noten

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"Die Konjunktur nimmt wieder Fahrt auf", sagt Uli Wachholtz. Der Präsident der Unternehmensverbände warnt aber vor rot-grünen Steuerplänen im Bund und den Folgen der Hochbrücken-Sperrung.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2013 | 10:44 Uhr

Kiel | Die ersten sechs Monate verliefen eher mau - für den Rest des Jahres blickt die Wirtschaft im Norden positiv nach vorn. "Die Konjunktur nimmt wieder Fahrt auf", sagte der Präsident der Unternehmensverbände Hamburg und Schleswig-Holstein, Uli Wachholtz, am Freitag in Kiel. Allerdings habe sich das Wachstumstempo der vergangenen Jahre deutlich verlangsamt.
Wachholtz präsentierte die Ergebnisse einer aktuellen Konjunktur-Umfrage seiner Organisation bei 153 Unternehmen mit 90.000 Beschäftigten in beiden Bundesländern. Mehr als jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) erwarte danach steigende Auftragseingänge bis Ende September.

"Verkehrspolitischer Offenbarungseid"

Als "hochriskant" auch für den weiteren Konjunkturverlauf bezeichnete Wachholtz die derzeitigen Verkehrsprobleme. Die Rader Hochbrücke ist seit bald drei Wochen gesperrt. Mit dem Beginn des Ausbaus der A7 drohten weitere Engpässe. Schleswig-Holstein habe in den vergangenen Monaten einen "verkehrspolitischen Offenbarungseid" abgelegt.
Wachholtz forderte die Landesregierung und den Hamburger Senat auf, sich in der Verkehrspolitik besser abzustimmen. Es gehe darum, den norddeutschen Wirtschaftsstandort nicht nur wieder flott zu machen, sondern zukunftsfähig aufzustellen. Dazu gehöre neben einer gemeinsamen Landesplanung auch die sofortige Aufnahme von Gesprächen mit der Deutschen Bahn über ein Ersatzbauwerk für die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke. Die wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Falle sie aus, drohe eine noch größere Verkehrs-Katastrophe.

Verhaltene Investitionsbereitschaft

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen im Norden ist der Umfrage zufolge aktuell eher verhalten. Für Verunsicherung sorgten die rot-grünen Steuerpläne, sagte Wachholtz. Viele Unternehmen hielten sich mit Investitionen bis nach der Bundestagswahl zurück. 28 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihre Investitionen im Vergleich zum Vorjahr erhöhen, 45 Prozent operieren mit unveränderten Budgets, und 27 Prozent kürzen die Investitionen.
Trotz Rekordbeschäftigung habe die Dynamik am Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten abgenommen, sagte Wachholtz. Unterm Strich dürften noch 327 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen, in der Frühjahrsumfrage hatten die Unternehmen noch 641 Stellen zusätzlich genannt.
Bei der Umsatzentwicklung liegen die befragten Unternehmen in Schleswig-Holstein knapp vor Hamburg. Beim Auftragseingang hat aber die Elbmetropole die Nase vorn. Höhere Verkaufspreise wiederum konnten die Unternehmen in Schleswig-Holstein erzielen.

Weniger als ein Drittel mit Albig zufrieden

Wachholtz legte zugleich das Ergebnis einer Umfrage zur Zufriedenheit mit der Landesregierung bei 40 ausgewählten Meinungsführern der schleswig-holsteinischen Wirtschaft vor. Danach bescheinigten weniger als ein Drittel der Befragten (29 Prozent) Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gute Arbeit. Verkehrsdesaster, Mindestlohn, Tariftreue- und Vergabegesetz, die geplante Anhebung der Grunderwerbssteuer oder auch die Pläne zum Denkmalschutz und die neue Bäderregelung würden als mittelstandsfeindlich bewertet, sagte Wachholtz.
Als Leistungsträger in Albigs Regierung werden Innenminister Andreas Breitner und Wirtschaftsministers Reinhard Meyer (beide SPD) eingeschätzt. Meyer habe einen "starken Führungsstil" und setze sich für die Fachkräfte-Initiative ein. Im Vorderfeld landete auch Kulturministerin Anke Spoorendonk wegen der Stärkung des Landesmuseums Schloss Gottorf. Auf den hinteren Plätzen rangieren der Umfrage zufolge Energie- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) und die parteilose Bildungsministerin Waltraut Wende.

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