zur Navigation springen

Nachwuchsmangel in der IT : Wirtschaft fordert Informatik als Pflichtfach in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein fordert Einführung von Informatik als Pflichtfach an den Schulen.

Kiel | Auf Computer und Internet sind Menschen und Wirtschaft heute mehr denn je angewiesen. Trotzdem können Schüler in Schleswig-Holstein den Informatikunterricht an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen leicht abwählen. Der Verein Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH) fordert deshalb, Informatik als Pflichtfach zu etablieren – und zwar so schnell wie möglich. „Ein Beschluss auf Landesebene muss verbindlich festlegen, dass Informatik als Unterrichtsfach Pflicht wird“, fordert Sören Mohr, Vorsitzender des Vereins. Dies sei eine Voraussetzung für den richtigen Umgang mit dem Netz: „Medienkompetenz entwickelt sich mehr und mehr zu einem zentralen Aspekt gesellschaftlicher Teilhabe.“

Die Forderungen des Vereins finden Zuspruch. Drei Viertel (78 Prozent) der Deutschen sind der Meinung, dass Informatik an allen weiterführenden Schulen als verpflichtendes Unterrichtsfach eingeführt werden sollte. Das ergab eine Umfrage des Technik-Verbandes Bitkom. 19 Prozent der Befragten würden es sogar befürworten, wenn dafür ein anderes Pflichtfach wegfällt.

Die Fächer Mathematik, Informatik und die Naturwissenschaften müssen gestärkt werden, meint Hans Joachim Beckers, Bildungs-Experte der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein: „Da gibt es einen erheblichen Fachkräftemangel.“ Die Wirtschaft sei hier auf innovative Konzepte angewiesen. Er sehe jedoch auch die Schwierigkeiten, die ein weiteres Pflichtfach mit sich bringt. Der größere Stellenwert könne auch mit einem interdisziplinären Ansatz erreicht werden. „Großes Potenzial sehen wir vor allem in den Kindergärten und den Grundschulen. Hier könnte die Vermittlung von Technik und Naturphänomenen eine leichte Herangehensweise ermöglichen“, so Beckers.

„Wir müssen digitale Kompetenzen in den Schulen besser verankern. Ein verpflichtender Informatikunterricht wäre sinnvoll. Die Forderung ist aber nicht leicht umsetzbar“, sagt Anke Erdmann, bildungspolitische Sprecherin der Grünen. Schon jetzt klagen Eltern über die Masse des Stoffes, den ihre Kinder in der Schule bewältigen.

„Derzeit haben wir dazu keine Pläne in der Schublade. Ich bin aber gespannt auf die Diskussion, was für entbehrlich gehalten wird“, sagt Martin Habersaat von der SPD. Die Vermittlung von Medienkompetenz sei bereits heute eine wichtige Querschnittsaufgabe in verschiedenen Unterrichtsfächern.

Heike Franzen (CDU) hält die Forderung des DiWiSH hingegen für überzogen: „Kinder müssen heute den Umgang mit Medien und Internet ebenso selbstverständlich lernen, wie lesen und schreiben. Allerdings gibt es auch kein Schulfach ,Lesen‘ oder ,Schreiben‘“.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Aug.2014 | 06:13 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen