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HSH Real Estate : Wirbel um Ein-Euro-Geschäft der HSH Nordbank

vom

Die Immobiliensparte der Landesbank von Schleswig-Holstein und Hamburg wurde für einen Euro verkauft. Neuer Eigentümer ist der bisherige Manager. Politiker verlangen Aufklärung der Hintergründe.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 07:08 Uhr

Hamburg | Die HSH Nordbank hat ihre Immobiliensparte verkauft – offenbar mit großen Verlusten. Die Immobilientochter sei für einen Euro an einen neuen Eigentümer gegangen, berichtete der NDR. Politiker aller Parteien kritisieren das Geschäft und pochen auf Aufklärung.

Seit Jahren versucht die HSH Nordbank, ihre Immobiliensparte loszuwerden. Die Bank war während der Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten und konnte nur durch eine Milliardenspritze der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg gerettet werden. Die EU zwang das Finanzinstitut daraufhin, seinen Geschäftsbereich zu verkleinern. Seit 2009 seien zunächst einzelne Immobilien-Beteiligungen abgestoßen worden, sagte ein Bank-Sprecher auf Nachfrage. Ende August glückte dann scheinbar der Durchbruch: Der Rest der HSH Real Estate konnte im Ganzen verkauft werden. Dies sei auch bei der Halbjahres-Bilanz mitgeteilt worden.

Der Haken dabei: Die HSH Nordbank erhielt für ihre Immobilientochter offenbar nur den symbolischen Kaufpreis von einem Euro. Auch wenn die Immobilienfonds mit erheblichen Risiken belastet sein dürften – die HSH Real Estate besitzt geschlossene Immobilienfonds im Wert von rund zwei Milliarden Euro und verwaltet Wohnungen in den USA und Deutschland im Wert von insgesamt 320 Millionen Euro.

Die HSH Nordbank gehört zu 85 Prozent den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein. Zwar nannte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki den Verkauf der Immobilien-Sparte grundsätzlich richtig. „Nur durch eine vernünftige Konzentration auf das Kerngeschäft kann sich die Bank über Wasser halten.“ Warum die Immobiliensparte aber für einen „mutmaßlichen Schnäppchenpreis verschleudert wird, bedarf der Aufklärung“.

Hinzu kommt: Bei dem Verkauf handelt es sich um ein Management-Buy-Out. Das heißt: Neuer Eigner ist der Ex-Manager der HSH-Sparte, Lutz von Stryk. „Kein Management der Welt“ kaufe seinen eigenen Laden, wenn er „nicht das Gefühl hat, das lohnt sich“, meinte Norbert Hackbusch, finanzpolitischer Sprecher der Hamburger Linksfraktion.

Auch die Fraktionen des Kieler Landtags pochen auf weitere Informationen. SPD-Finanzpolitiker Lars Winter zeigte sich enttäuscht über die Info-Politik der Bank. Die Kommunikation der HSH „ist unter aller Sau“, kritisierte Torge Schmidt von den Piraten. Es müsse zügig geklärt werden, wie der Verkaufspreis von einem Euro zustande gekommen sei, meint Tobias Koch (CDU). Finanz-Staatssekretär Thomas Losse-Müller, der auch dem Aufsichtsrat der HSH angehört, sagte eine Unterrichtung des vertraulich tagenden Beteiligungsausschusses im Landtag zu.

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