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Bauernpräsident Werner Schwarz : „Wir kennen dieses Auf und Ab der Preise“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bauernpräsident Werner Schwarz sagt: "Wenn irgendwo die Landwirtschaft in Zukunft eine feste Größe sein wird, dann hier bei uns." Trotzdem seien die Bauern in Schleswig-Holstein in Sorge - nicht nur wegen der Preise.

shz.de von
erstellt am 05.09.2013 | 06:00 Uhr

Rendsburg | Herr Schwarz, die Norla gilt als ideale Ergänzung von Landwirtschaft und verbraucherorientiertem Angebot. Wird die heimische Landwirtschaft weiterhin für einen starken Wirtschaftszweig stehen, oder gibt es politisch motivierte Eingrenzungen, die den Bauern die Motivation nehmen, den Wettbewerb in den erforderlichen Größenordnungen voranzutreiben?
Schleswig-Holstein ist ein Gunstgebiet für Landwirtschaft. Wir haben an der Westküste und im ostholsteinischen Hügelland hervorragende Ackerbaustandorte und auf dem Mittelrücken sind die Bedingungen für die Milchviehhaltung ideal. Wenn irgendwo die Landwirtschaft in Zukunft eine feste Größe sein wird, dann hier bei uns. Die Frage, die ich an unsere Politiker stelle, ist aber: Wird der einzelne Betrieb das überstehen, der aufgrund der hohen und stets steigenden Anforderungen finanziell nicht mehr über die Runden kommt? Wir erleben doch gerade, wie kleine Betriebe aufgeben und die politischen Vorgaben den Zwang zum Wachstum auslösen. Später wird man uns vielleicht sagen: Das haben wir nicht gewollt. Aber gemacht hat man es!

Die Nachfrage nach Lebensmitteln wird weltweit steigen. Fleisch und Milchpulver finden in China, Indien und Afrika immer größeren Absatz. Werden auch Schleswig-Holsteinische Erzeuger davon profitieren?
Wir leben in einer der wenigen Regionen weltweit, die in der Lage ist, Lebensmittel intensiv und nachhaltig zugleich auf hohem Ertragsniveau zu erzeugen. Was bei uns ohne Probleme auf einem Hektar wächst, braucht in wasserarmen Regionen mit schlechten Böden fünf oder zehn Hektar. Wer Natur- und Klimaschutz nicht nur regional betrachtet, der freut sich darüber, dass hier nachhaltig-intensive Landwirtschaft betrieben wird. Wir erzeugen Qualität, und das kontrolliert und vor allem konstant. Im chinesischen Milchpulverskandal in diesem Jahr haben wir gemerkt, was das wert ist. Denn urplötzlich wurde unsere Produktion aus Fernost aufgekauft. Für unsere Meiereien ist die Exportchance wichtig, weil sie dadurch dem Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels besser die Stirn bieten können.

Die Lebensmittelpreise sind zum Teil stark gestiegen. Kommt davon auch etwas bei den Landwirten an, oder ist der Handel der große Gewinner?

Wir erleben, wie derzeit beispielsweise die Schweinepreise stark ansteigen, nachdem sie lange schmerzhaft niedrig waren. Die Erfahrung lehrt aber, dass ein Teil des Preisanstieges für unsere Erzeugnisse durch steigende Kosten für Futter- und Düngemittel oder für Energie aufgefressen wird. Wir kennen dieses Auf und Ab und hoffen, dass im Preishoch genug erwirtschaftet wird, damit das Preistief zu überstehen ist. Die Strukturen im Handel machen es uns allerdings nicht immer leicht, unseren Anteil an den Lebensmittelpreisen durchzusetzen, egal auf welchem Niveau sich der Preis gerade befindet.

In der jüngeren Vergangenheit haben immer wieder verschiedene Formen des Lebensmittel-Betrugs die Verbraucher beunruhigt. Benötigen wir einen stärkeren Verbraucher-Schutz?
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das Bundesinstitut für Risikobewertung kümmern sich fachlich überzeugend um den Verbraucherschutz. Wir sind heute auf einem Stand, der Missstände ganz offensichtlich schnell entdeckt und zügig aufklärt. Das Prüfsystem für Lebensmittel QS (Qualität und Sicherheit) betreibt Qualitätssicherung vom Landwirt bis zur Ladentheke. QS hat bereits mehrmals gezeigt, dass es die manchmal verschlungenen Wege krimineller Aktivitäten in diesem Bereich schnell nachvollziehen und gemeinsam mit staatlichen Stellen abstellen kann.

Schleswig-Holstein hat starke regionale Hersteller und Marken. Führt die zurzeit herrschende Label-Flut nicht zur Verunsicherung der Verbraucher?

Wir brauchen sicherlich nicht noch mehr Siegel, sondern vielleicht etwas mehr Übersichtlichkeit. Dennoch hat auch die Vielfalt ihren Charme. Der Verbraucher kann sich doch glücklich schätzen, dass die Auswahl so groß ist. Wer regional oder ökologisch kaufen möchte, kann das ganz gezielt tun. Wer darauf kein Augenmerk legen will, der orientiert sich am schon genannten QS-Siegel, das für kontrollierte Qualität steht. Damit ist er gut bedient.

Sollte es mehr regionale Marken-Messen im Norden geben, um die Qualität dem Handel, der offensichtlich die Regionalität auch für sich entdeckt hat, anzubieten?
Die Norla als solches ist ja auch eine regional anerkannte Marke. Der Lebensmitteleinzelhandel, der auf der Norla vertreten ist, betont dadurch die Bedeutung der Regionalität für das einzelne Unternehmen. Insofern kann ich jedem Unternehmen nur empfehlen, sich hier zu präsentieren. Eine bessere Chance, den Wert der Regionalität auszudrücken, gibt es nicht.

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