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Hintergrund und Analyse : Windparks vor der Westküste sind komplett

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Die bisher letzte vor Schleswig-Holstein geplante Offshore-Park wird fertig – jetzt fordert Robert Habeck vom Bund noch mehr Tempo beim Ausbau.

Sylt/Kiel | Am Sonntag ist es so weit: Der Energiekonzern Vattenfall und die Stadtwerke München eröffnen den gemeinsamen Hochseewindpark „Sandbank“ 90 Kilometer vor Sylt. „Mit einer Leistung von 288 Megawatt können die 72 Anlagen etwa 400.000 Haushalte mit Strom versorgen“, verkündeten die Betreiber am Donnerstag stolz.

Mit der Inbetriebnahme des 60 Quadratkilometer großen Parks „Sandbank“ sind nun alle sechs Meereswindfarmen fertig, die vor Schleswig-Holstein bisher geplant waren. Dass dies schon fünf Jahre nach Baubeginn des ersten Westküsten-Windparks „Nordsee Ost“ bei Helgoland gelungen ist, konnte man nicht immer erwarten – denn die Anlaufschwierigkeiten waren groß. Wegen Problemen bei den Netzanschlüssen und hoher Kosten verschob sich der Baustart mehrerer Parks wieder und wieder.

Der aktuelle Ausbaustand in Nord- und Ostsee.

Der aktuelle Ausbaustand in Nord- und Ostsee.

Foto: sh:z-Grafik/Yalim
 

Jetzt aber stehen vor Schleswig-Holsteins Westküste 440 Windräder mit einer Gesamtleistung von 1750 Megawatt und erzeugen munter Strom. Addiert man die Anlagen in der Nordsee vor Niedersachsen und in der Ostsee, kommt man laut den am Donnerstag vorgelegten Zahlen der Windverbände sogar auf 1055 Rotoren mit 4750 Megawatt  – genug für sechs Millionen Haushalte.

Die Kosten hat die Branche inzwischen im Griff: In der ersten Runde der vom Bund neu eingeführten Ausschreibungen für Meereswindparks konnten gleich drei der vier erfolgreichen Bewerber auf jede staatliche Förderung verzichten – gut für die Stromkunden, die die Zuschüsse letztlich bezahlen. Dennoch hat die Bundesregierung das Ausbauziel für die Hochseewindkraft bisher nicht verändert: Bis 2030 sollen insgesamt 15 Gigawatt Leistung in Nord- und Ostsee installiert sein. 

Der Branche ist das zu wenig: Sie verlangte, das Ausbauziel auf 25 Gigawatt zu erhöhen. Der Forderung schloss sich prompt Schleswig-Holsteins grüner Energieminister Robert Habeck an, der bisher vor allem für die Windkraft an Land kämpft. Weil  ab 2025 nicht nur die Kosten für Meereswindräder noch mal sänken, sondern dann auch die großen Nord-Süd-Stromleitungen fertig würden, sei „ein Ziel von mindestens 25 Gigawatt bis 2030 richtig“, sagte Habeck dem sh:z. Eine Bundesratsinitiative dazu wolle er noch dieses Jahr starten. „Wenn wir die Klimaziele und eine weitgehend Co2-freie Wirtschaftsweise erreichen wollen, brauchen wir mehr erneuerbare Energien – an Land und auf See“, sagte Habeck. Allerdings dürften neue Windräder nicht im Nationalpark Wattenmeer stehen.

Weiter draußen vor Schleswig-Holsteins Küste könnten dagegen selbst ohne höheres Ausbauziel zwei zusätzliche Windparks bis 2025 entstehen: Unter den elf Nordseeprojekten, die bei der zweiten Auktion des Bundes im April antreten dürfen, sind der Windpark „Kaskasi II“, den die RWE-Tochter Innogy zwischen „Amrumbank West“ und „Nordsee Ost“ plant, sowie der Park „Nördlicher Grund“. Den will Investor Wind MW südlich von „Sandbank“ bauen, hat aber noch keine Netzanbindung. Käme allerdings der Zuschlag, müsste ein zweiter Anschluss vor Sylt her.

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erstellt am 21.Jul.2017 | 06:30 Uhr

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