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Genervte Anwohner : Windkraftanlagen in SH: Nachts sollen sie nicht mehr blinken

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Um eine augenschonende Warntechnik an Windkraftanlagen zu fördern, schafft Energiewendeminister Habeck einen Anreiz.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 14:37 Uhr

Trotz zunehmend höherer Windkraftanlagen soll der Himmel nachts dunkel bleiben: Um das zu erreichen, will das Land Anreize für den Einsatz einer Technik schaffen, die Warnlichter an den Mühlenflügeln nur im Notfall blinken lässt. Wenn Windmüller diese kostspielige Erfindung einbauen, wird ihnen ein Teil der Abgabe erlassen, die sie für Eingriffe in das Landschaftsbild zahlen müssen. Das kündigte Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) gegenüber dem sh:z an.

Blinklichter an Windkraftanlagen gewinnen an Brisanz, weil die Mühlen immer größer werden – nicht allein an neuen Standorten, sondern auch, weil im Zuge des Repowering niedrigere alte Anlagen durch weniger, aber dafür höhere ersetzt werden. Ab 100 Metern Höhe sind Warnlampen vorgeschrieben, um Kollisionen mit Kleinflugzeugen zu vermeiden. Bisher gab es nur Lichter, die bei Dunkelheit ständig an- und ausgehen – und dementsprechend Anwohner stören.

Soeben hat eine in Nordfriesland entwickelte Alternative den offiziellen Segen der Bundesbehörden erhalten: Aufgenommen in die „Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen“, kann diese so genannte bedarfsgerechte Befeuerung in den Regelbetrieb gehen. Sie erkennt mit Hilfe von Radarwellen, ob sich ein Flugobjekt auf eine kritische Distanz genähert hat – und löst erst dann ein Blinken aus. Ansonsten bleibt es dunkel.

„Die bedarfsgerechte Befeuerung trägt dazu bei, die Auswirkungen auf Mensch und Natur durch Windkraftanlagen zu reduzieren“, sagt Habeck. Für die Anwendung des augenschonenden Systems sieht sein Erlass deshalb einen finanziellen Bonus „in bestimmten Gebieten“ vor. „Das betrifft besonders sensible Landschaftsräume, dort, wo Windräder beispielsweise weithin sichtbar sind“, verdeutlicht der Minister.

Ebenfalls denkt er an die Hauptachsen des überregionalen Vogelzugs. Wenn Rotoren dort mit bedarfsgerechter Befeuerung ausgestattet werden, gewähre das Land künftig einen prozentualen Abschlag auf die Ersatzzahlungen für Eingriffe in das Landschaftsbild. Die muss jeder Windmüller entrichten. Auf eine Größenordnung des Bonus’ will sich Habeck nicht festlegen.

Mit der Reduzierung der Landschaftsbild-Abgabe greift er einen Vorschlag des Bundesverbands Windenergie (BWE) auf. Dessen Landesgeschäftsführerin Nicole Knudsen hält eine Senkung um drei Viertel für angemessen. Schließlich falle der Eingriff ohne Dauer-Blinken tatsächlich geringer aus. Zudem erhöben nur wenige Länder überhaupt eine Landschaftsbild-Abgabe.

Und Knudsen hat die Kosten für die bedarfsgerechte Befeuerung vor Augen: Die erreichen zumindest derzeit noch ungefähr die Schwelle von einer Million Euro. Allerdings geht die BWE-Expertin davon aus, dass damit meist ein kompletter Windpark abgedeckt werden könnte. Denn ein Befeuerungssystem kann einen Umkreis von mehreren Kilometern überwachen, wenn keine Erhebungen in der Nähe liegen.

Der Opposition gehen die Pläne Habecks nicht weit genug. „Zwar stimmt schon mal die Richtung – aber das Ganze ist ausbaufähig“, kommentiert die kommunalpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Petra Nicolaisen. Sie sorgt sich, dass die Stimmung in der Bevölkerung für den geplanten deutlichen Windkraft-Zubau kippen könnte. Nicolaisen befürwortet deshalb bei neuen Anlagen eine Pflicht zur bedarfsgerechten Befeuerung. Dazu hat sie für die Oktober-Sitzung des Landtags einen Prüfantrag an die Landesregierung formuliert.

Zudem ist der Christdemokratin der bisherige Vorschlag des Grünen-Politikers zu abstrakt. Habeck müsse beziffern, welche Entlastung sein Erlass den Windmüllern denn tatsächlich bringe. Gefragt sei auch eine landesweite Koordination durch die Landesregierung. Nur so lasse sich ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis erreichen: mit möglichst wenigen bedarfsgerechten Befeuerungen möglichst viele Windkraftanlagen abdecken.

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