Kürzungspläne von Union und SPD : Windbranche bangt um Jobs

„Ein Genickschuss für Schleswig-Holstein“ - Windkraftbefürworter in SH sehen die Branche in Gefahr.
„Ein Genickschuss für Schleswig-Holstein“ - Windkraftbefürworter in SH sehen die Branche in Gefahr.

Die Windbranche regiert fassungslos auf die geplanten Kürzungen in der Windenergie. Tausende Arbeitsplätze hängen daran und zahlreiche Bürger haben in Windparks investiert. Laut Windcomm wären Einschnitte in der Förderung für SH ein „Genickschuss“.

shz.de von
12. November 2013, 07:15 Uhr

Husum | Die Windkraftbranche in Schleswig-Holstein fürchtet einen Rückschlag durch die Kürzungspläne von Union und SPD. „Projekte werden viel schwerer umzusetzen sein“, sagte gestern der Landeschef des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, gegenüber dem sh:z. Zudem würden sich die Einschnitte nicht nur auf die Vergütung der Windparkbetreiber auswirken, sondern auch „auf die Jobs und Wertschöpfung bei den Herstellern und auf die Einnahmen der Kommunen“. In Berlin hatten sich zuvor die Koalitionäre darauf geeinigt, die Förderung der Windkraft zwar auf ertragreiche Regionen wie Schleswig-Holstein zu konzentrieren, aber die Fördersätze dort stark zu senken.

Auch Schleswig-Holsteins oberster Wirtschaftsförderer für die Windkraft, Martin Schmidt von der Windcomm, sorgt sich um den Standort und viele der landesweit 8000 Jobs in der Branche. Vor allem beunruhigen ihn Pläne, Windparks künftig auszuschreiben und an denjenigen Bieter zu vergeben, der die geringste Vergütung beansprucht. Zwar will Schwarz-Rot dieses Modell entgegen ersten Plänen nun zunächst für einen Solarpark testen und frühestens ab 2018 generell einführen. Doch sollte es dazu kommen, „wäre das ein Genickschuss für Schleswig-Holstein“, warnte Schmidt. Denn die Betreiber seien im Norden zu 80 Prozent Bürgergesellschaften oder kleine Firmen, die sich an europaweiten Ausschreibungen wegen hoher Kosten gar nicht beteiligen oder später nicht durchsetzen können. „Am Ende würden ein paar große Konzerne den Markt unter sich aufteilen“, fürchtet Schmidt.

Weniger als im restlichen Norddeutschland dürften sich in Schleswig-Holstein dagegen die geplanten Einschnitte bei Meereswindparks bemerkbar machen. Union und SPD haben das Ausbauziel bis 2020 hier der Realität angepasst und von 10 auf 6,5 Gigawatt gesenkt. Bis 2030 sollen statt 25 nur noch 15 Gigawatt erreicht werden. Zwar bezeichnete Meinhard Geiken, Chef der IG Metall Küste, diese Drosselung gestern als „völlig falsches Signal für die Küste“ und erinnerte an „zehntausende Arbeitsplätze“, die daran hängen würden. Doch in Schleswig-Holstein ist die Branche weniger wichtig als etwa in Niedersachsen. Selbst in den landesweit neun Häfen, die auf Offshore-Transporte setzen, blieb man gelassen. Zwar sei das Senken der Ausbauziele „kein Rückenwind“ für die Hochseeparks, gab der Brunsbütteler Frank Schnabel zu, Sprecher der Häfen. Doch gebe es schon jetzt „nicht zu viel, sondern zu wenig Hafenkapazitäten, um alle Projekte abzuwickeln“. 
 

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